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Kritik: Anything (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieses vom US-Schauspieler Timothy McNeil inszenierte Drama basiert auf seinem gleichnamigen Theaterstück und erzählt von zwei Gestrandeten, die der Liebe begegnen. Early und Freda könnten kaum verschiedener sein. Er ist ein biederer Südstaatler, der 26 glückliche Jahre mit seiner kürzlich verstorbenen Ehefrau verbrachte. Sie ist eine drogenabhängige Transgender-Frau mit losem Mundwerk, die in Stöckelschuhen und kurzem roten Kleid auf den Strich geht. Aber in dieser zarten, melancholisch-verhaltenen Romanze entdecken die beiden Nachbarn eines Mietshauses in einer berüchtigten Gegend Hollywoods, dass sie einiges verbindet. Sie sind seelisch verwundet, einsam und brauchen dringend jemanden, der sie aufrichtet. Vor allem aber finden sie sich von Anfang an sympathisch.

Early ist eine Seele von Mensch, so einer wie er hat wohl noch nie in jenem Haus in Hollywood gewohnt. Die junge Brianna (Margot Bingham) ist völlig erstaunt, dass er sie im Hof im Vorbeigehen einfach freundlich grüßt. Brianna ist unglücklich verliebt in einen Musiker und die flüchtigen Kontakte mit diesem freundlichen Nachbarn öffnen ihr die Augen, stärken ihren Lebenswillen. Freda erlebt viel Gewalt und Ausgrenzung und träumt von einem bürgerlichen Leben, bei Early findet sie eine Schulter zum Anlehnen. Diese nachbarschaftliche, dann freundschaftliche Beziehung ist ein Geben und Nehmen. Early kann endlich über seine Frau und seine Trauer reden, und erkennen, dass es Leute gibt, die ihn schätzen. Ein spannungsgeladener Höhepunkt des Dramas entsteht, als Early seine Schwester mit Familie zum Abendessen einlädt, damit sie Freda kennenlernen. Denn Laurette findet ihren Bruder unglaublich naiv und respektiert seine Fähigkeit nicht, so viel offener und vorurteilsfreier an Menschen heranzugehen als sie selbst.

Das Drama verdankt seinen Reiz vor allem den beiden Hauptcharakteren und ihren überzeugenden Darstellern. Man gibt sich gerne dem etwas märchenhaften Charme der Grundidee hin, wonach Leute wie Early und Freda hoffen dürfen, die Milieuschranken zwischen ihnen mit einem Achselzucken einzureißen. Allerdings wirken einige Stationen dieser Beziehung recht pflichtschuldig abgeklappert – beispielsweise wenn Early als Fels in der Brandung während Fredas kaltem Entzug dient. Eine gewisse Realitätsferne macht sich bei der eher nur behaupteten, rasch skizzierten Entwicklung der Charaktere bemerkbar. Der Film verfolgt zu sehr die Absicht, tröstlich und entwaffnend zu sein.

Fazit: In der Verfilmung seines gleichnamigen Theaterstücks erzählt der amerikanische Regisseur Timothy McNeil von zwei auf der Schattenseite Hollywoods gestrandeten Seelen. Obwohl der depressive Witwer Early und die Transfrau Freda, die ihr Geld auf dem Straßenstrich verdient, unterschiedlicher kaum sein könnten, geben sie sich gegenseitig Halt. Die zarte Romanze lebt von ihrem verträumten, tröstlichen Charme und den guten Hauptdarstellern, aber sie legt zu wenig Wert auf Realitätsnähe und eine glaubwürdige Figurenzeichnung.




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