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Kritik: Dream Away (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der ägyptische Filmemacher Marouan Omara und seine deutsche Kollegin Johanna Domke, die auch als Videokünstlerin bekannt ist, spüren in diesem Dokumentarfilm dem Lebensgefühl ägyptischer Hotelmitarbeiter in Sharm El Sheikh nach. In dem wegen der Terrorgefahr von ausländischen Gästen weitgehend gemiedenen Touristenort fühlen sie sich mit ihren Träumen gestrandet. Hier herrschen die westlichen Sitten, die sie von ihren Angehörigen und Freunden zuhause entfremden. Was soll nun aus ihnen werden? Der Stil des kontemplativen und atmosphärisch dichten Films ist nicht rein dokumentarisch. Vielmehr treten die Protagonisten auch in deutlich inszenierten Szenen vor die Kamera, um ihre Lage mit Hilfe des Schauspiels beispielhaft auszudrücken und zu reflektieren.

Hossam hat sein Auto von seiner Frau geschenkt bekommen, aber nicht von derjenigen, mit der er Kinder hat. Seine Gespräche mit Alaa deuten darauf hin, dass es sich um eine ältere ehemalige Touristin handelt. Der Masseur Alaa sagt, er habe seiner Familie verschwiegen, was er hier mache. Shosha ist als junge Frau bereits geschieden und hofft, dass sie an diesem liberalen Ort vielleicht trotzdem einen neuen Partner findet. Doch das Frauenbild ägyptischer Männer macht ihr auch hier zu schaffen. Hossam fühlt sich unwohl, wenn er seinen Heimatort besucht, er fühlt sich dort schon wie ein Fremder angestarrt. Horreya überlegt, ob sie den Heiratsantrag eines älteren Italieners, für den sie nichts empfindet, annehmen soll. Wiederholt sehen einzelne Mitarbeiter den Flugzeugen über ihren Köpfen nach, die ihren Eindruck, selbst hier festzustecken, noch verstärken.

Manchmal wenden sich die Protagonisten direkt der Kamera zu und erzählen von sich. Manchmal kommen sie einzeln mit einem Mann im Affenkostüm, der mit einem Megafon auf der Ladefläche eines Autos durch die leeren Straßen fährt, ins Gespräch. Oder sie gehen stumm ein paar Schritte hinaus in die Wüste, die sich zwischen den Bergen im Hintergrund und der touristisch erschlossenen Küste erstreckt. Der Weg zurück nach Hause scheint für sie, das signalisieren solche Aufnahmen, keine Lösung zu sein. Das herausgeputzte Urlaubsgelände aber wirkt ohne die fehlenden oder konsequent ausgeblendeten Gäste regelrecht surreal. Das Illusionäre, das diesem Ort im Grunde schon von seiner Konzeption her innewohnt, stellt dieser auch stilistisch interessante Film überzeugend heraus.

Fazit: Der kontemplative Dokumentarfilm von Marouan Omara und Johanna Domke befasst sich am Urlaubsort Sharm El Sheikh, den viele Touristen wegen der Terrorgefahr meiden, mit der Situation des ägyptischen Hotelpersonals. Am Beispiel einiger Arbeitskräfte, vom Chauffeur bis zum Zimmermädchen, spürt er stilistisch kreativ und überzeugend dem Gestrandetsein zwischen den Kulturen nach. Kleine Inszenierungen und gestellte Motive lassen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität durchlässig werden. Die Beteiligten mutieren zu Schauspielern, um ihrem Lebensgefühl pointiert Ausdruck zu verleihen.




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