VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Fair Traders (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Idee zu "Fair Traders" kam Nino Jacusso auf Werbetour für sein Coming-of-Age-Drama "Shana – Das Wolfsmädchen" (2014), das in einer indigenen kanadischen Gemeinde spielt. Weil ihn Jugendliche mit der Frage konfrontierten, ob Völker, die der Natur nahestünden, mehr Überlebensmöglichkeiten hätten als wir, dachte Jacusso vermehrt über die Zukunft unseres Planeten nach. Nun stellt der italienisch-schweizerische Regisseur drei Unternehmer*innen aus drei Generationen vor, die sich der beständigen Gewinnmaximierung unseres Wirtschaftssystems bereits entzogen haben und in ihren Betrieben auf Ethik und Nachhaltigkeit setzen.

Wie in seinem Spielfilm "Shana" steigt Jacusso auch in seinen jüngsten Dokumentarfilm mit einer malerischen Naturaufnahme ein. Eine Hand streicht in Zeitlupe über eine Ähre. So kitschig, wie dieser Auftakt vermuten lässt, geht es allerdings nicht weiter. Der Filmemacher tritt weder als Sozial- und Wirtschaftsromantiker noch als Lehrmeister auf. Sachlich und nüchtern porträtiert er drei beeindruckende Persönlichkeiten und ihren beruflichen Werdegang, zeigt Gemeinsamkeiten, Erfolge, aber auch Rückschläge auf.

Der Wagemut und die Experimentierfreude der Porträtierten liegen Jacusso fern. "Fair Traders" ist ein in allen Gewerken ordentlicher Dokumentarfilm, der seine Akteure in einer vertrauten Mischung aus Interviewsituationen, Voice-over-Kommentaren und Alltagsszenen präsentiert. Was dem Film dabei abgeht, ist der Gesamtüberblick über die komplexe Gemengelage. Jacusso bleibt ganz bei seinen Protagonisten, lässt kaum andere Stimmen zu und engt den Blick dadurch unnötig ein.

Je länger der Film dauert, desto mehr verstärkt sich das Gefühl, dass man zwar viel über den jeweiligen Charakter der Porträtierten, aber (zu) wenig über deren Unternehmen, deren Entstehung, Aufbau, Funktion und innerbetriebliche Abläufe erfahren hat. Die angeführten Beispiele machen zwar Hoffnung auf ein Wirtschaftssystem jenseits der Wachstumszwänge bieten dem Publikum aber wenig Mehrwert.

Fazit: "Fair Traders" ist ein Dokumentarfilm, der Hoffnung auf ein Wirtschaftssystem jenseits der Wachstumszwänge macht, seinem Publikum aber wenig Mehrwert bietet. Bis zuletzt bleiben die drei Porträtierten und ihre Betriebe etwas diffus, weil Regisseur Nino Jacusso seinen Blick (zu sehr) verengt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.