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Kritik: Der Fall Sarah & Saleem (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Der Fall Sarah & Saleem" ist das neue Werk des palästinensischen Filmemachers Muayad Alayan ("Love, Theft and Other Entanglements"). Das von Rami Musa Alayan – dem Bruder des Regisseurs – verfasste Drehbuch ist inspiriert von wahren Begebenheiten und befasst sich mit der Situation in der geteilten Stadt Jerusalem. In einem Regie-Statement schreibt Alayan, dass er selbst im militärisch besetzten Teil Jerusalems aufgewachsen ist – und dass er eine Geschichte erzählen wollte, in der Menschen in diesem Umfeld vor der Entscheidung stehen, ihren eigenen moralischen Kompass über Bord zu werfen, um sich selbst zu retten, oder alles zu riskieren.

Es beginnt mit einem Seitensprung – einer privaten Handlung, die an diesem konfliktbeladenen Ort jedoch rasch eine politische Dimension annimmt, da die Affäre zwischen einer Israelin aus West-Jerusalem und einem Palästinenser aus Ost-Jerusalem stattfindet. Das Skript und dessen Umsetzung fangen nachvollziehbar ein, wie der Ehebruch zu einer immer gefährlicheren Staatssache wird, in die bald der Geheimdienst und das Militär involviert sind. Und der Film lässt uns spüren, wie die vier zentralen Figuren mehr und mehr die Kontrolle verlieren; wie sie Fehler begehen, sich und andere in Lügen verstricken und sich dem Besatzungsapparat hilflos ausgeliefert sehen.

Während zunächst Sarah und Saleem im Mittelpunkt stehen, widmet sich das Werk im weiteren Verlauf auch Saleems Ehefrau Bisan und Sarahs Gatten David. Der Film ist ein Mix aus Drama und Thriller, interessiert sich aber nicht für genretypische Zuspitzungen, sondern für eine realistische Darstellung des Lebens in Jerusalem – für die kleinen, persönlichen Konflikte, in die der Staat gnadenlos einbricht. So lässt Alayan ohne Effekthascherei Spannung entstehen; und er wird dabei von einem engagiert spielenden Quartett unterstützt.

Fazit: Ein glaubhaft erzählter, figurenzentrierter Film über moralische Dilemmata und die Gewalt des Staates in Jerusalem.




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