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Nevrland
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Nevrland (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Nach zwei Kurzfilmen ist "Nevrland" das Langfilmdebüt des österreichischen Regisseurs Gregor Schmidinger, der eigene Erlebnisse und Autobiografisches in seinem Film verarbeitete. Weltpremiere feierte der außergewöhnliche Genre-Mix auf dem 40. Saarbrücker Filmfest Max Ophüls Preis. Dort wurde "Nevrland" mit dem Preis der Jugendjury bedacht. Hauptdarsteller Simon Frühwirth erhielt den Preis als bester Nachwuchsschauspieler.

Schmidingers Erstling fordert den Zuschauer durchaus heraus, nicht zuletzt da sich der mit einem kraftvoll und mitreißend agierenden Simon Frühwirth in der Hauptrolle stark besetzte Film keinem Genre eindeutig zuordnen lässt. Schmidinger baut auf Elemente des Psychothrillers, des Coming-of-Age-, Jugend- sowie Familiendramas und auch des an David Lynch erinnernden surrealen Films. Und: "Nevrland" verzichtet auf eindeutige Antworten auf die aufgeworfenen, vor allem die Hauptfigur quälenden Fragen. Es ist ein herausforderndes, ebenso provozierendes wie extremes Werk.

Lässt man sich aber voll und ganz auf diesen immer wieder von elektrisierend-pulsierenden, durchdringenden (Techno- und Elektro-)Klängen sowie flirrenden Strobo-Licht-Effekten durchzogenen audiovisuellen Rausch ein, erlebt man einen Film, der lange im Gedächtnis bleibt. Das liegt vor allem an zwei Dingen: Einerseits liefert Schmidinger hier ein meisterhaft montiertes und hochatmosphärisch gestaltetes, audiovisuelles Kunstwerk ab, das auf stilisierte, artifizielle rote und bläuliche Farbnuancen und einen unruhig-flackernden Underground-Sound baut.

All dies – das Nervöse, Irrlichternde, Hektische – steht für die aufgewühlte Gefühlswelt und den psychischen Extremzustand Jakobs. Dieser wird, und das ist der zweite und bereits angeschnittene Aspekt, von Simon Frühwirth phantastisch verkörpert. Mit ausgeklügelter Mimik und fein austarierten Gestiken spielt er die Orientierungslosig- und Wahnhaftigkeit seiner Figur mehr als glaubhaft.

Fazit: Radikal, abstrakt, surreal: Gregor Schmidingers filmische Ausnahmeerfahrung bleibt dank seiner grellen, hypernervösen visuellen und akustischen Gestaltung und des großartigen Jung-Hauptdarstellers lange in Erinnerung.




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