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Helmut Berger, meine Mutter und ich
Helmut Berger, meine Mutter und ich
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Helmut Berger, meine Mutter und ich (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Helmut Berger, meine Mutter und ich" ist in vieler Hinsicht ein ungewöhnliches Projekt. Es ist das Langfilm-Regiedebüt von Valesca Peters (Jahrgang 1982), die bisher vor allem im Bereich der Filmmontage tätig war. Den Anstoß zu ihrer ersten großen Inszenierungsarbeit gab ihre Mutter und deren Fürsorge: Nachdem Bettina Vorndamme durch eine Internetsuche erfahren hatte, wie schlecht es um den 1944 geborenen Schauspieler Helmut Berger sowohl gesundheitlich als auch beruflich steht, hatte sie den Plan ersonnen, dem (einstigen) Star zu helfen. Und so kam Peters zu ihrem Thema – und musste im Laufe des Drehs einige Konventionen des Dokumentarfilms brechen. Dies sollte sich jedoch als Glücksfall erweisen.

Statt Berger – wie ursprünglich vorgesehen – in seiner gewohnten Umgebung zu beobachten, musste sie ihn in ihrem eigenen Zuhause filmen, da ihre Mutter den Schauspieler spontan zu sich nach Niedersachsen einlud und dieser dort mehrere Monate verweilte. Peters baut die eigenen Irritationen klug in ihr Werk ein, indem sie ihre Bedenken via voice-over mitteilt oder Diskussionen mit der Mutter festhält. Wie Peters in einem Statement erläutert, unterhielt sie sich intensiv mit Berger, ohne dabei die Kamera laufen zu lassen – und nutzte seine Aussagen, um daraus Texte zu machen, die Berger in der Endfassung des Films ebenfalls via voice-over rezitiert. Hinzu kommen diverse Spielszenen, in denen sich Berger etwa selbst interviewt. Sowohl die Audio-Aufnahmen als auch die inszenierten Momente sind sehr gelungen – und vermitteln uns das Gefühl, Berger tatsächlich ein kleines Stück näherzukommen. Der androgyne Österreicher, der als Fotomodell, Leinwand-Star und "schönster Mann der Welt" zu Ruhm kam, bleibt natürlich ein unberechenbarer Exzentriker – dennoch ist Peters' Herangehensweise entschieden ergiebiger als der voyeuristisch anmutende Ansatz von Andreas Horvaths Dokumentarfilm "Helmut Berger, Actor" (2015), der eher am Skandalösen interessiert war.

Peters verbindet die eingesprochenen Texte sowie die gespielten und dokumentarischen Szenen noch mit Archivmaterial, das einen kurzen Einblick in Bergers Leben mit seinem damaligen Partner Luchino Visconti und in seine Kino-Auftritte in Viscontis "Die Verdammten" (1969) oder als Titelheld in "Das Bildnis des Dorian Gray" (1970) gibt – und porträtiert nicht nur einen alternden Schauspieler, sondern fängt auch die Höhen und Tiefen einer überaus komplizierten Freundschaft ein: Wie Berger und Peters' Mutter trotz aller Unterschiede zueinanderfinden und doch auch immer wieder aneinandergeraten, ist spannungsreicher als jeder Spielfilm-Plot.

Fazit: Eine empathische und originelle dokumentarische Betrachtung, die sich dem exaltierten Schauspieler Helmut Berger und der Genese einer schwierigen Freundschaft widmet.




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