VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
A Gschicht über d'Lieb
A Gschicht über d'Lieb
© Salzgeber & Co. Medien GmbH © Die FILMAgentinnen

Kritik: A Gschicht über d'Lieb (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieses Drama, das der Regisseur Peter Evers nach eigenem Drehbuch inszeniert hat, fügt sich auf originelle Weise in das Genre des neuen deutschen Heimatfilms ein. Die Geschichte spielt in den 1950er Jahren in einem Dorf im Südwesten Deutschlands. Sie handelt von der Liebe, von arrangierten Ehen, Seitensprüngen, sogar von Mord und Totschlag. Die Menschen sind auf Gedeih und Verderb an die Scholle gebunden, an die Hierarchie, das Gerede und die Verlogenheit der dörflichen Gesellschaft. Aber sie fühlen sich der Heimat auch innerlich verbunden und in den Bildern, die sie bei der Feldarbeit zeigen, scheint eine anheimelnde Idylle auf.

Fast hätte die Geschichte also auch ein traditioneller Heimatfilm werden können, aber würde ein solcher über eine inzestuöse Liebe zwischen Geschwistern erzählen? Würde er aufzeigen, wie viel Aggression und Gewalt hinter der wohlanständigen Fassade der patriarchalen Gesellschaft lauern, wie sehr die Freiheit des Einzelnen eingeschränkt ist? Evers wirft einen kitschfreien Blick auf das Dorfleben, ohne auf die große romantische Geste zu verzichten.

In dem Universum, in dem Maria und Gregor aufgewachsen sind, bestimmen oft noch die Väter über den künftigen Schwiegersohn, die künftige Schwiegertochter. Marias Freundin Anna (Fanny Krausz) weiß schon lange, wen sie einmal heiraten wird. Hannes (Rafael Gareisen) wird von seinem Vater aus finanziellem Kalkül gedrängt, um Marias Hand anzuhalten. Und da ist noch der stille Werner (Lucas Arthur Englander), der von allen jungen Männern gemobbt wird. Werner ist aus dem Krieg verändert zurückgekehrt. Alle diese jungen Menschen werden in die heimliche Liebesgeschichte der Geschwister verwickelt. Doch als fataler erweist sich, dass die junge Generation auf einem von den Älteren angelegten dörflichen Trampelpfad der Lügen und des Schweigens unterwegs ist.

Der Film lebt von seinen schönen Bildern und vom Spiel der sympathischen Hauptdarsteller Svenja Jung und Merlin Rose. Der Regisseur und Autor bürdet dem Film zwar ein bisschen viel thematisches Gepäck auf – Kriegserlebnisse, Gehorsam den Eltern gegenüber, die Unterdrückung und Ausbeutung der Frau, die Ankündigung einer Zeitenwende, in der es keine Schande ist, einen Kredit aufzunehmen. Aber dennoch erweist sich diese dramatische Gratwanderung zwischen Realismus und Romantik als reizvoll.

Fazit: Der Regisseur und Drehbuchautor Peter Evers begibt sich mit diesem dramatischen neuen Heimatfilm auf eine originelle Gratwanderung zwischen Romantik und Realismus. Er erzählt von der heimlichen Liebe zweier Geschwister in einem süddeutschen Dorf der 1950er Jahre. Sie bringt ein Geflecht aus Lügen und Schweigen, auf dem bereits die ältere Generation ihre Gemeinschaft begründete, zum Einreißen. Evers gewinnt dem Landleben idyllische Bilder ab, verweigert sich jedoch seiner Verkitschung, indem er die Doppelmoral der patriarchalen sozialen Ordnung kenntlich macht.






Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.