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Renzo Piano - Architektur des Lichtes
Renzo Piano - Architektur des Lichtes

Kritik: Renzo Piano - Architektur des Lichtes (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der englische und der spanische Untertitel treffen ins Schwarze: "an Architect for Santander", respektive "un Arquitecto para Santander", ein Architekt für Santander also. Denn Carlos Sauras jüngster Dokumentarfilm dreht sich voll und ganz um den Bau eines Kulturzentrums in der nordspanischen Stadt. Zwar nutzt der Regisseur die Gelegenheit, sich in ausführlichen Gesprächen mit dem Architekten über dessen Philosophie zu unterhalten. Eine Werkschau oder gar ein biografisches Porträt, wie der deutsche (und italienische) Titel vermuten lässt, verbirgt sich hinter "Renzo Piano – Architekt des Lichts" jedoch nicht.

Saura legt seinen Film als Mischung aus Interviews, Mitschnitten von Sitzungen, Planungs- und Beratungsgesprächen und Aufnahmen des Baufortschritts an. Schon hier fallen drei Aspekte negativ auf. Zunächst einmal deckt Saura seine qualitativ höchst unterschiedlichen Bilder mit einem breiten, bedeutungsschwangeren Streicher-Teppich zu. Die Dramaturgie verwirrt, weil er die unzähligen am Bauvorhaben beteiligten Personen nur unzulänglich vorstellt und wiederholt abrupt den Fokus wechselt. Und zuletzt funkt Saura schnell mit Piano auf einer Wellenlänge. Er teilt dessen Verständnis von Architektur (und Kunst), die die Menschen durch ihre Schönheit zu etwas Besserem machen könne. Darüber blendet der Regisseur die durchaus vorhandenen Misstöne am Projekt allzu leichtfertig aus.

Die Kritiker, die im Kulturzentrum einen beträchtlichen Einschnitt in die Uferpromenade und nur das Steckenpferd des während der Dreharbeiten verstorbenen, mächtigen Bankenchefs Emilio Botìn sehen, kommen zwar zu Wort. Doch weder Filmemacher Saura noch Architekt Piano setzen sich ernsthaft mit deren Argumenten auseinander. Ob sie ihre Meinung nach Fertigstellung des Baus beibehalten oder geändert haben, bleibt ebenso offen. Der Film endet mit der feierlichen Eröffnung des Kulturzentrums. Saura macht daraus eine dokumentarische Feier der Ästhetik, während der die kritischen Stimmen aus dem Film längst verschwunden sind.

Trotz der kurzen Laufzeit von knapp über einer Stunde kommen Pianos Ansichten zur Architektur nicht ohne Wiederholungen aus. "Die Architektur ist eine Kunst, die Geduld verlangt", sagt er an einer Stelle. Carlos Sauras Film verlangt viel Geduld, vor allem aber Nachsicht mit dem Regisseur.

Fazit: "Renzo Piano" ist ein Dokumentarfilm, der viel über das Architekturverständnis des titelgebenden Baumeisters, aber wenig über dessen Arbeitsweise preisgibt. Regie-Legende Carlos Saura macht sich allzu sehr mit dem Porträtierten gemein und wischt kritische Fragen leichtfertig beiseite.




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