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Die Wurzeln des Glücks
Die Wurzeln des Glücks
© Studiocanal

Kritik: Die Wurzeln des Glücks (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die französische Schriftstellerin und Regisseurin Amanda Sthers ("Madame") hat diese Tragikomödie aus eigener Feder über eine Familie inszeniert, deren Mitglieder über drei Kontinente verstreut leben. Harry, seine Ex-Frau Monica, Sohn David und Tochter Annabelle sprechen wenig bis gar nicht mehr miteinander. In der Adaption ihres Romans "Schweine züchten in Nazareth" vertieft sich Sthers auf humorvolle Weise in das Thema der familiären Wurzeln. Gleichgültig, ob man das gut oder schlecht findet, nichts prägt einen mehr als das Elternhaus und die frühen Bindungen.

Harry hat den Kontakt zu seinem Sohn David abgebrochen, weil dieser ein schwuler Künstler und nicht ein erfolgreicher Arzt und traditioneller Ehemann geworden ist. David arbeitet sich an dieser Zurückweisung ab und lässt sein Bühnenstück um die Charaktere der Eltern kreisen. Spät wird sich Harry bewusst werden, wie seine Ablehnung mit der Geschichte der eigenen Herkunftsfamilie zusammenhängt. Alle vier Charaktere dieser auseinandergebrochenen Familie versuchen gerade, einen neuen Weg für sich zu finden. Und doch bleiben sie sich innerlich stärker verbunden, als sie dachten.

Der Film wechselt kurzweilig zwischen den Schauplätzen, hauptsächlich Nazareth und New York, und zeigt, wie verschieden der Alltag seiner Figuren ist. Diese Dramaturgie verleiht der Geschichte jedoch auch eine unvorteilhafte Sprunghaftigkeit und Zerrissenheit. Sie kann sich lange nirgends vertiefend niederlassen.

James Caan spielt den eigenwilligen, religionsfernen Schweinezüchter mit überzeugender Präsenz und Sinn für Humor. In seinen Auseinandersetzungen mit dem Rabbi und mit dem christlichen Pater spiegelt sich auch eine religions- oder ideologiekritische Haltung des Films. Intoleranz ist weder in der israelischen Gesellschaft, noch innerhalb dieser kleinen Familie ein guter Ratgeber.

Vermutlich aber ist es dem Roman besser gelungen, die Gefühlsebene anzusprechen und die Charaktere differenziert auszumalen. Im Film bleibt zu vieles bruchstückhaft und flüchtig. Man versteht nicht recht, auf welche Aussage, welche Erkenntnis er es abgesehen hat. Dieser Scheidungsfamilie haftet nämlich etwas Austauschbares an, sie wirkt weder wirklich außergewöhnlich, noch eignen sich ihre Mitglieder in nennenswertem Maße zu Identifikationsfiguren.

Fazit: Die französische Regisseurin Amanda Sthers verfilmt ihren eigenen Roman "Schweine züchten in Nazareth" zu einer Tragikomödie über eine Familie, deren Mitglieder getrennte Wege gehen. Mit Humor und kritischem Blick auf religiöse und persönliche Intoleranz pendelt die Geschichte kurzweilig zwischen den Charakteren an so unterschiedlichen Schauplätzen wie Nazareth und New York. James Caan überzeugt als eigenwilliger Mann mit zynischer Ader, der mit seiner Schweinezucht in Israel auf wenig Gegenliebe stößt. Doch dem Film gelingt es nicht recht, sich auf berührende Weise den Charakteren und ihren Nöten zu widmen, er wirkt dafür zu flatterhaft und flüchtig.




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