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Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte
Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte
© mindjazz pictures

Kritik: Asi mit Niwoh - Die Jürgen Zeltinger Geschichte (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit Musikfilmen und Biographen kennt sich Regisseur Oliver Schwabe aus. Der 1966 in Hannover geborene, ausgebildete Fotograf und Fotolaborant realisierte bisher eine Vielzahl an Porträts und Dokus über unterschiedlichste Künstler: darunter Freddy Quinn, Tokio Hotel und die Rolling Stones. Eine seiner jüngsten Arbeiten, "I’ve lost my mind in Essen", befasst sich mit der 40-jährigen Geschichte der legendären "Rocknacht": Die Rockpalast-Nacht war eine mehrstündige Konzertveranstaltung, die von 1977 bis 1986 in der Grugahalle in Essen stattfand.

Ebenfalls 40 Jahre dauert mittlerweile schon die Karriere von Jürgen Zeltinger an. "Asi mit Niwoh" erweist sich dabei als liebevoll umgesetzte, mit Respekt vor der Lebensleistung des Porträtierten ausgestattete Doku. Rein formal setzt Schwabe auf die gängige Doku-Kombi aus gegenwärtigen Szenen (etwa aktuelle Konzertmitschnitte), Archivaufnahmen und Interviews. Das jedoch, was die Bilder dem Zuschauer vor Augen führen, ist weit mehr als "nur" das Porträt eines raubeinigen, markige Sprüche klopfenden "Kölsche Jung‘". Denn "Asi mit Niwoh" beackert quasi im Vorbeigehen auch noch die Geschichte einer eigenen Subkultur (die der rheinischen Underground-Musikszene) sowie die Entwicklung des Kölschrock. Der Zuschauer erfährt auf diese Weise viel Neues und Erhellendes.

Etwa wenn BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken davon erzählt, wie er die ersten Erfolge des bekennenden Homosexuellen Zeltinger gebannt verfolgte und erlebte. Man konnte nun auch in der Sprache Erfolg haben, in der man aufgewachsen ist, sagt Niedecken. Der Aufstieg von Niedeckens BAP und der Zeltinger Band begann etwa zur gleichen Zeit (Ende der 70er, Anfang der 80er), bei Zeltinger beschränkte sich der Erfolg jedoch fast ausschließlich auf das Rheinland bzw. NRW. Doch dieser "heimische" Erfolg war gigantisch. Großartige, rare Archivaufnahmen zeigen die Rampensau Zeltinger in den 80er-Jahren mit seiner Band vor ausverkauften Rängen in den größten Hallen der Region. Und die Fans singen jede Zeile der Gassenhauer mit, von "Müngersdorfer Stadion" bis "Stüverhoff".

Eine weitere Stärke des vom rauen Charme seiner Hauptfigur geprägten Films: die freimütigen, offenen Äußerungen der Interviewten. So spricht Zeltingers Schwester z.B. über die schwere Kindheit und Jugend des Bruders und Buddy Heiner Lauterbach schwelgt in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit als Straßenmusiker im Frankreich der 70er-Jahre. Außerdem fängt Schwabe immer wieder herrlich lebensnahe Momente, unverstellte Reaktionen und urkomische Situationen ein, wenn er mit seiner Kamera etwa backstage nach Auftritten oder "on the road" in Zeltingers in die Jahre gekommenem Benz mit dabei ist.

Fazit: Ehrlich, rau, kernig und charmant – Die liebenswerte, mit tollem Archivmaterial ausgestattete Doku "Asi mit Niwoh" widmet mit sich Akribie und Leidenschaft einem echten Kölner Urgestein und rheinischen Original.




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