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Der unverhoffte Charme des Geldes
Der unverhoffte Charme des Geldes
© MFA Film

Kritik: Der unverhoffte Charme des Geldes (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieses komödiantische Heist-Movie des Frankokanadiers Denys Arcand ("Die Invasion der Barbaren") ist durchdrungen von bissiger satirischer Kapitalismuskritik. Geld regiert die Welt und wer es hat, kann sich praktisch alles kaufen, von Waren bis zum Knowhow, wie man es vor dem Zugriff der Hüter von Recht und Gesetz schützt. Diese Erfahrung ist neu für den studierten Philosophen und Paketauslieferer Pierre-Paul aus Montreal. Der junge Antiheld stolpert in das Abenteuer seines Lebens, als Räuber zwei Taschen voller Geld am Tatort zurücklassen, die er nur aufzuheben braucht. Zwar hält er theoretisch nichts von der Jagd nach materiellen Reichtum, aber wenn er nun schon einmal da ist, könnte er doch auch einiges damit anfangen.

Die kernige Komödie persifliert mit dieser Hauptfigur auch ein wenig das Genre selbst. Pierre-Paul übt auf die Leute, mit denen er sich verbündet, eine entwaffnende Wirkung aus. Die Edelnutte Camille pflegt sonst nie Umgang mit einem Mann wie ihm und merkt nun, wie schön Spaziergänge zu zweit sein können. Der aus dem Gefängnis entlassene Sylvain könnte Pierre-Paul mühelos um seine vielen Banknoten erleichtern, aber der Mann hat einen eigenen Ehrbegriff. Dieses Trio benutzt den Verein für Obdachlosenhilfe, bei dem Pierre-Paul ehrenamtlich tätig ist, nicht nur zur Tarnung eigener Aktivitäten, sondern setzt sich auch für die Bedürftigen ein. Letztlich kommt es darauf an, was jemand mit seinem Reichtum macht, denn das wahre Glück ist eben doch auf das Miteinander angewiesen. Camille kennt beispielsweise einen Kunden (Pierre Curzi), der reiche Investoren berät und der sie genügend schätzt, um ihr seine Dankbarkeit auf besondere Art zu beweisen.

Alexandre Landry stattet Pierre-Paul mit einer ständig sorgenvoll wirkenden Miene aus. Auch der Besitz der Geldtaschen befreit ihn nicht davon, im Gegenteil. Die Verschiedenheit der Charaktere erhöht das filmische Vergnügen. Die gepfefferten gesellschaftskritischen Sprüche kommen ganz beiläufig. Sylvain weiß genau, dass die Polizei gar nicht die Mittel hätte, um sie ständig zu beschatten. Dieses Trio tut, was viele Reiche auf trickreiche Weise auch tun, nämlich Geld in Sicherheit bringen. Dabei sind die Drei im Geiste aber auch ein wenig mit Robin Hood verwandt.

Fazit: Der Antiheld dieses komödiantischen Heist-Movies hat keinerlei kriminelle Erfahrung, aber Gelegenheit macht Diebe und so begibt er sich in ein Milieu, das eine Nummer zu groß für ihn sein könnte. Der frankokanadische Regisseur und Drehbuchautor Denys Arcand persifliert gekonnt die Korrumpierbarkeit der Menschen, die der Anziehungskraft des großen Geldes nicht widerstehen können. Wenn aber Leute mit Herz und sozialer Ader, wie der Hauptcharakter und seine beiden Helfer, in den Besitz illegaler Gelder kommen, dann handelt es sich doch auch ein wenig um ausgleichende Gerechtigkeit. Mit ihrem schelmischen und bissigen Humor erweist sich diese Kapitalismuskritik als recht vergnüglich.




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