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Inna de Yard - The Soul of Jamaica
Inna de Yard - The Soul of Jamaica
© MFA Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Inna de Yard - The Soul of Jamaica (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Rund 20 Musiker nehmen gemeinsam ein Album auf, mit dem sie zu den Ursprüngen der Reggae-Musik zurückkehren. Die jamaikanischen Musikrichtungen Ska, Rocksteady und Reggae wurden in den 1960er und 1970er Jahren draußen auf den Straßen geboren und in der ganzen Welt populär. Also musizieren einige legendäre Interpreten und Songwriter von damals, unterstützt von Vertretern der heutigen Reggae-Generation, im Garten eines Hauses und benennen ihre Gruppe entsprechend – Inna de Yard. Der britische Regisseur Peter Webber ("Das Mädchen mit dem Perlenohrring") schaut ihnen bei den Aufnahmen über die Schulter, begleitet sie zum Tournee-Konzert in Paris, lässt sie über ihre Musik und ihr Leben erzählen. Die sympathische filmische Hommage an ergraute Legenden des Reggae ist vor allen Dingen ein musikalischer Genuss.

Die alten Herren musizieren und auf der Konzertbühne im Ausland auftreten zu sehen, erinnert ein wenig an Wim Wenders‘ "Buena Vista Social Club" über ein spätes Comeback kubanischer Musiklegenden. Cedric Mytons Rastazöpfe sind längst grau geworden, aber mit der Aufnahme von "Row Fisherman" erinnert er an seine erfolgreiche Zeit mit der Band "The Congos". Webber fügt dem Film kurze Archivaufnahmen bei, in denen die porträtierten Musiker in ihrer Jugend zu sehen sind. Diese Vergleiche von damals und heute demonstrieren auf reizvolle Weise, wie viel lebendige, ungebrochene Kraft immer noch von den Ursprüngen des Reggae ausgeht. Immer wieder schaut sich die Kamera in der Umgebung um, begleitet Cedric Myton auf einer Fahrt im Fischerboot, schwelgt in der Schönheit der Landschaft. Ken Boothe führt durch sein Haus, in dem die Einrichtung und Bildersammlung von einer erfolgreichen Karriere künden.

Kiddus I, der mit einem Auftritt im Kultfilm "Rockers" berühmt wurde, war hingegen zu rebellisch und eigenwillig, um Karriere zu machen. Wenn diese Musiker über ihre Kindheit, von Armut, Gewalt und politischer Unterdrückung erzählen, knüpft der Film auch an die mit dem Reggae verbundene Protestkultur der Rastafaris an. Manchmal springt der Film recht schnittintensiv zwischen Studioaufnahmen, Freilicht- und Konzertszenen hin und her, was das Eintauchen in die Atmosphäre vor Ort erschwert. Aber die Album-Aufnahmen und Auftritte ergeben eine reichhaltige Filmmusik, die allen Reggae-Liebhabern viel Freude bereiten dürfte.

Fazit: Der Dokumentarfilm des britischen Regisseurs Peter Webber begleitet die Aufnahmen für ein Album, mit dem ein Ensemble alter und junger Musiker an die Anfänge und Blütezeit des jamaikanischen Reggae erinnert. Legendäre Interpreten und Songwriter wie Cedric Myton, Ken Boothe, Kiddus I und andere erzählen auch aus ihrem Leben und über die Bedeutung dieser Musikrichtung aus den 1960er und 1970er Jahren, die sich neuer Beliebtheit erfreut und von jungen Musikern weiterentwickelt wird. Aufnahmen von der Konzerttournee des Ensembles kommen hinzu. So bildet insgesamt die Musik den genussvollen Schwerpunkt dieser filmischen Würdigung verdienter Reggae-Altmeister.






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