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The Sisters Brothers
The Sisters Brothers
© Wild Bunch

Kritik: The Sisters Brothers (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "The Sisters Brothers" legt der 1952 in Paris geborene Filmemacher Jacques Audiard ("Der wilde Schlag meines Herzens", "Dämonen und Wunder – Dheepan") erstmals einen Western vor. Das Drehbuch, das Audiard gemeinsam mit Thomas Bidegain verfasst hat, basiert auf dem gleichnamigen Roman des Kanadiers Patrick deWitt – und zeichnet sich nicht zuletzt durch starke Dialoge aus, was für Werke aus diesem Genre nicht unbedingt üblich ist. Die Geschichte lebt in erster Linie von seinen komplexen Figuren und von deren Bindungen zueinander.

John C. Reilly ("Der Gott des Gemetzels") und Joaquin Phoenix ("Walk the Line") verkörpern ein höchst unterschiedliches Brüder-Duo: Der von Reilly gespielte Eli möchte das Dasein als Auftragskiller – und somit die Gewalt und die damit verbundene Einsamkeit – hinter sich lassen; der von Phoenix interpretierte Charlie hinterfragt den brutalen Job, den die beiden ausüben, indes nicht und vermag sich überhaupt kein anderes Leben vorzustellen. Beide Männer sind derweil durch ihren grausamen Vater traumatisiert. Während Charlie seine Erinnerungen durch Alkohol und Waffengewalt zu verdrängen versucht, strebt Eli einen Ausbruch an. Zu dieser spannungsreichen Beziehung zwischen den Brüdern kommt die entstehende Freundschaft zwischen dem jungen Chemiker Hermann und dem dandyhaften John. Auch hier können die Schauspieler Riz Ahmed ("Four Lions") und Jake Gyllenhaal ("Brokeback Mountain") überzeugen: Ahmed vermittelt glaubhaft den Idealismus von Hermann, der eine neue Gesellschaft, einen demokratischen Lebensraum gründen will – und Gyllenhaal lässt uns die Wandlung von John mitfühlen. Insgesamt agiert das Quartett deutlich emotionaler, als man dies von Western-Helden kennt.

Darüber hinaus demonstriert Audiard in "The Sisters Brothers" einen guten Blick für Details, wenn er etwa die Routinen der Brüder einfängt oder wenn er zeigt, wie Eli zum ersten Mal eine zivilisatorische Errungenschaft wie die Zahnbürste ausprobiert. Der Goldrausch, in dem sich das Land befindet, wird ebenso treffend in Szene gesetzt wie die Leere, die die Männer auf ihrer Reise in sich spüren.

Fazit: Ein Western mit erstaunlich vielschichtigem Personal und gelungenen Dialogen. Das Schauspiel-Quartett ist ebenso beeindruckend wie die zahlreichen Beobachtungen am Rande.




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