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Das Haus am Meer
Das Haus am Meer
© Film Kino Text

Kritik: Das Haus am Meer (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Das Haus am Meer" ist das neue Werk des Drehbuchautors, Regisseurs und Produzenten Robert Guédiguian ("Café Olympique – Ein Geburtstag in Marseille"), für das er abermals mit seiner Ehefrau Ariane Ascaride in der Hauptrolle und vielen aus seinem Œuvre bekannten Gesichtern zusammengearbeitet hat. Erneut interessiert sich der Filmemacher vor allem für die Lebensumstände seiner Figuren sowie für komplexe zwischenmenschliche Beziehungen.

Er lässt ein voneinander entfremdetes Geschwister-Trio im Elternhaus über die nötige Pflege des schwer kranken Vaters diskutieren sowie über das weitere Schicksal des Anwesens und über vergangene Fehler, Tragödien und Narben. Auch politische Ansichten kommen zur Sprache. Im Fokus stehen dabei stets die Blicke und Gesten; Guédiguian und sein Kameramann Pierre Milon ordnen das Personal immer wieder auf interessante Weise in den Innen- und Außenräumen an. Obendrein wird die Bucht von Méjean nahe Marseille klug als Schauplatz eingesetzt: als einnehmend-schöner Ort, der im Verfall begriffen ist, da die Mieten steigen und der Tourismus in der Gegend nachlässt. "Von früher ist keiner mehr da", heißt es an einer Stelle; alles ist vergänglich und von Melancholie durchzogen. Einen Gegenwartsbezug gewinnt "Das Haus am Meer" nicht zuletzt dadurch, dass er auch die Situation von Geflüchteten thematisiert – und die Figuren (sowie uns als Publikum) über Verantwortung nachdenken lässt. Dabei bleibt die Erzählung wiederum so zurückhaltend, dass das Werk nicht zu einem Moralstück verkommt.

Die Darstellung der Figuren ist durchweg überzeugend. Ariane Ascaride ("Die Schüler der Madame Anne") verleiht der Theater- und Fernsehschauspielerin Angèle, die nach zwei Dekaden in ihre Heimat zurückkehrt, zunächst etwas Kühles, um allmählich die Hintergründe der verschlossenen Frau sichtbar werden zu lassen. Und auch ihre Co-Stars Jean-Pierre Darroussin, Gérard Meylan, Anaïs Demoustier und Robinson Stévenin können die Vielschichtigkeit der gezeigten Personen glaubhaft vermitteln.

Fazit: Ein präzise beobachtetes und gekonnt gefilmtes, gut gespieltes Drama über familiäre Konflikte und den Wandel der Zeit.




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