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FBW-Bewertung: Hi AI (2019)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Der Dokumentarfilm HI, AI weist bereits in seinem Titel auf eine Begegnung hin, auf den Versuch einer Kommunikation mit undüber vermenschlichte Künstliche Intelligenz. Und so nähert sich Isa Willingers Arbeit auch mit großer Offenheit und erfrischender Neugier dem hochaktuellen Thema aus einer klaren Perspektive heraus: Wie werden sich die Beziehungen der Menschen zu den Maschinen entwickeln, welche Rolle werden Roboter künftig in unserem Leben einnehmen? Eine besondere Qualität des Films liegt bei diesem Fokus aber darin, nicht einseitig einen technischen Entwicklungsstand zu beleuchten, sondern eben auch die aktuelle Gesellschaft zu spiegeln, die diese Entwicklung überhaupt erst zulässt. In diesem Sinnestellt HI, AI sehr wohl auch die traurig anmutende Bestandsaufnahme einer Gesellschaft dar, die als Antwort auf die umgreifende Isolation und Einsamkeit schon lange nicht mehr auf eine Stärkung der menschlichen Gemeinschaft, sondern auf die Entwicklung maschineller Lösungen setzt.
Besonders im Sinne dieser Fragestellung nach therapeutischen und sozialen Potenzialen Künstlicher Intelligenz erscheint die Wahl der Protagonisten als vorzüglich ? gerade auch, weil der Film es nicht darauf anlegt, durch sie eine vorgefertigte Haltung zu belegen. Chuck etwa, der als Kind schwerer sexueller und psychischer Gewalt ausgesetzt war und den wir nun dabei begleiten, wieer ausgerechnet in einer als Sex-Toy programmierten Einheit eine rein freundschaftliche Ebene sucht, sich gar ausdrücklich von ihren algorithmisch vorgegeben sexuellen Avancen abgrenzt ? all das öffnet eine Menge spannender und teils hoch emotionaler Ebenen sowohl hinein in eine mögliche Zukunft als auch in unsere Gegenwart.
Mit seinen zahlreichen Protagonisten, weltumspannenden Locations, unterschiedlichen thematischen Ansätzen sowie der sehr klug eingesetzten Podcast-Ausschnitte aus Experteninterviews bietet der Film ein komplexes Gefüge aus vielfältigen Informationen und Reizen. Wie dieses Gefüge in der Montage des Films durch Stephan Krumbiegel und Olaf Voigtländer organisiert wurde, erscheint der Jury meisterhaft, weil die gefundene Erzählstruktur die Zuschauer behutsam emotional führt und ihnen beste Orientierung bietet bezüglich Locations und inhaltlicher Fragestellungen. Auch das Erzähltempo lässt an den richtigen Momenten nötigen Raum, um zu reflektieren und zu verarbeiten. Diese Montage im Zusammenspiel mit einem herausragenden und teils dramaturgisch eingesetzten Sound und einer aufwändigen, ja: spektakulären Bildsprache machen Isa Willingers Langfilmdebüt zu einem denkwürdigen und absolut empfehlenswerten Kinoerlebnis.



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