VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Schule auf dem Zauberberg
Die Schule auf dem Zauberberg
© farbfilm verleih

Kritik: Die Schule auf dem Zauberberg (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Rund um den Globus wollen alle Eltern dasselbe: dass es ihren Kindern gut und später einmal besser geht als ihnen selbst. Herkunft, Kulturkreis oder Gesellschaftsschicht spielen dabei keine Rolle. Doch was, wenn die ältere Generation bereits alles erreicht und irrsinnige Reichtümer angehäuft hat? Wie schlüpft die jüngere Generation in diese gewaltigen Fußstapfen? Dokumentarfilmer Radek Wegrzyn hat dem Nachwuchs von Milliardären und Millionären beim Schullaltag in der Leysin American School im Schweizer Kanton Waadt ein Jahr lang über die Schulter geblickt.

Die Exklusivität stellte Wegrzyn vor Herausforderungen, denn Superreiche leben gern diskret. Nicht alle Schülerinnen und Schüler darf sein Film zeigen. An einem so außergewöhnlichen Ort wie der Leysin American School findet der Regisseur dafür eine außergewöhnliche Lösung. Statt die betreffenden Personen zu verpixeln, pappt er ihnen in der Postproduktion gezeichnete Pandabärenköpfe vors Gesicht. Ein gewitzter Kommentar auf eine seltene Spezies. Ansonsten verläuft "Die Schule auf dem Zauberberg" in den gewohnten dokumentarischen Bahnen, wie der Schulalltag überhaupt erstaunlich gewöhnlich ist.

Das verbindende Thema aller Beteiligten ist der Druck. Egal, ob die im Film vorgestellten Schüler wie Anna aus Brasilien, wie Abdulmohsen aus Saudi-Arabien oder wie Ouwani aus dem Niger stammen, sie alle spüren die Last auf ihren Schultern, noch erfolgreicher als ihre ohnehin schon übermäßig erfolgreichen Eltern werden zu müssen. Der 17-jährige Berk bricht unter diesem Druck fast zusammen. Wegrzyns Film fokussiert sich schnell auf den gebürtigen Istanbuler, der sich allzu gern von seinen schulischen Pflichten ablenken lässt und dem Nichtstun frönt.

Die Verengung auf einen Hauptprotagonisten ist Stärke und Schwäche zugleich. Stärke, weil sich der Regisseur mit Berk einen sympathischen und überaus reflektierten Schüler herausgegriffen hat, dem die Zuschauer gern folgen. Dem Bild des reichen Schnösels entspricht der Jugendliche allenfalls in Ansätzen. Berk ist sich seiner Privilegien bewusst und stellt diese infrage. Er jobbt in einem Café, verdient sein eigenes Geld und möchte mit den Geschäften seines Vaters später einmal nichts zu tun haben. Just hier sind die Übergänge zu den Schwächen des Films fließend. Denn womit Berks Vater sein Geld verdient, bleibt wie vieles andere unklar. Die Fokussierung auf Berk verengt auch den Blick.

Berks Fazit ist auch das Fazit des Films: "Wir haben vielleicht viel Geld, aber am Ende sehnen wir uns doch alle nach dem Gleichen: Anerkennung unserer Eltern". Für Berk trifft das fraglos zu. Seine von Nachhaltigkeit und Gemeinwohl geprägten Berufswünsche machen zudem Hoffnung auf eine künftige Weltelite, die nicht nur profitorientiert ist. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, beantwortet "Die Schule auf dem Zauberberg" indes nur ungenügend. Dafür erfährt das Publikum schlicht zu wenig über den Internatsleiter und dessen Familienbetrieb, über den Lehrkörper und Berks Mitschüler, über deren Träume und Motivationen.

Fazit: Dokumentarfilmer Radek Wegrzyn gewährt seinem Publikum einen spannenden Einblick in einen der exklusivsten Orte der Welt. "Die Schule auf dem Zauberberg" will zeigen, dass auch superreiche Schüler letztlich nur Schüler mit den für Jugendliche typischen Problemen sind. Zumindest auf den porträtierten 17-jährigen Berk trifft das zu. Dabei verliert Wegrzyn jedoch das große Ganze etwas aus dem Blick.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.