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Free Solo
Free Solo
© Central Film © Capelight Pictures

Kritik: Free Solo (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die gute Nachricht geht am 3. Juni 2017 um die Welt: Der 31-jährige Kletterer Alex Honnold lebt! Er hat ohne jede Sicherung eine fast 1000 Meter hohe, praktisch senkrechte Felswand am El Capitan im kalifornischen Yosemite-Valley erklommen. Drei Stunden und 56 Minuten dauerte der Aufstieg. Ein einziger Fehlgriff, ein Abrutschen am steilen Granit hätte den sicheren Tod bedeutet. Alex Honnolds sensationelle Free-Solo-Erstbesteigung des El Capitan macht ihn zur sportlichen Legende. Der von National Geographic produzierte Dokumentarfilm der Regisseure Elizabeth Chai Vasarhelyi und Jimmy Chin, der diesen Kletterrekord vor Ort begleitet hat, ist für den Oscar 2019 nominiert worden. Diese Nominierung aber verdankt der Film im Grunde dem Protagonisten am Fels und seiner Leistung – und das gälte natürlich auch für den möglichen Preisgewinn.

Spektakuläre Aufnahmen vom Klettern am Fels gibt es nämlich in vielen Dokumentarfilmen. Auch diesmal sind die Bilder atemberaubend. Aber sie sind sogar mehr als das, sie bringen die Zuschauer emotional an ihre Grenzen, sie filmen einen Menschen in permanenter Lebensgefahr – selbst ein Mann, der am Fuße des Bergs hinter der Kamera steht, kann manchmal nicht hinschauen. Die Nähe des Todes lastet schwer auf diesen Bildern und ihren Betrachtern. Die Filmcrew hat ihre Skrupel bezüglich des Drehs im Film thematisiert. Und die Frage, warum sich ein Mensch wissentlich einer solchen Gefahr aussetzt, beherrscht natürlich den gesamten Streifen.

Honnold ist ein Einzelgänger, der im Ruf steht, kühl und auffallend angstfrei zu sein. Selbst sein Kletterfreund Tommy Caldwell sagt, dass er ein solches Risiko wie er am Fels nie eingehen würde. Zu Forschungszwecken ließ Honnold sogar eine Kernspinuntersuchung seiner Gehirnfunktionen durchführen. Er hat sich, das machen seine eigenen Schilderungen klar, mental besser unter Kontrolle als viele andere Menschen, er kann seine Angst beherrschen und unter schwersten Bedingungen fehlerfrei agieren. Der Vergleich mit dem Drahtseilakt von Philippe Petit drängt sich auf, 1974 in über 400 Meter Höhe zwischen den Türmen des World Trade Centers – ebenfalls ungesichert. Das Undenkbare, noch nie Dagewesene wagen – mit einer Aktion, welche die Schönheit des Moments, des Lebens preist: Wie Petit hat auch Alex Honnold der Menschheit unsterbliche Bilder beschert. Es bleibt zu wünschen, dass er künftig doch lieber gesichert klettert.

Fazit: Der Dokumentarfilm porträtiert den amerikanischen Extremkletterer Alex Honnold und schildert seine sensationelle Erstbesteigung des kalifornischen El Capitan im Juni 2017 im Free-Solo-Stil. Honnold erklimmt dabei eine fast 1000 Meter hohe, senkrechte Felswand am berühmten Kletterberg des Yosemite-Nationalparks ohne Sicherung. Der Film bringt sein Publikum wegen der Todesgefahr, in der der Sportler schwebt, emotional an die Grenzen. Während sich ethische Fragen aufdrängen, sorgt Honnold in der Wand für Bilder, denen auf beinahe schmerzliche Weise etwas Überirdisches anhaftet.




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