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Luz
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© Drop-Out Cinema eG © Bildstörung

Kritik: Luz (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Genrezuschreibungen liegen Regisseur Tilman Singer fern. Letztlich lässt sich sein Langfilmdebüt auch nur schwer fassen. "Luz", den Singer gemeinsam mit seinem Koproduzenten und Szenenbildner Dario Méndez Acosta als Abschlussarbeit an der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) realisiert hat, oszilliert irgendwo zwischen Dämonenhorror, Psychothriller, Liebesdrama, Kammerspiel und Soundcollage. So undefinierbar der Mix, so klar ist Singers Handschrift. Bei einem Debüt ist das gar nicht hoch genug anzurechnen.

Die Sets sind so überschaubar wie Singers Budget. Inneneinrichtung, Mode und Technik erinnern an den Übergang zwischen den 1980er- und 1990er-Jahren. Ein undefinierbarer, unheimlicher filmischer Raum. Der Debütant holt alles heraus, weil er auch in digitalen Zeiten auf analoges 16mm-Material im Cinemascope-Format setzt, auf clevere Regieeinfälle statt großer Effekte, auf ausdrucksstarke Gesichter und auf eine ausgeklügelte Tonspur. Wie Singer drei verschiedene Erzählebenen im simpel anmutenden Aufbau einer Hypnose-Sitzung ineinander flicht, ist fabelhaft.

Filmische Vorbilder hat Singer keine genannt, Andrzej Żuławskis "Possession" (1981) und Peter Stricklands "Berberian Sound Studio" (2012) aber garantiert gesehen. Auch "Luz" ist außer Kontrolle geratenes Körperkino, auch durch "Luz" wabert ein unbestimmbares Gefühl des Unbehagens. Der Debütant erzeugt es durch die Kombination von Paul Faltz' raumgreifenden Breitwandaufnahmen, den unheilschwangeren Blicken der Darsteller, der hypnotischen Wirkung der mehrsprachig vorgetragenen und wiederholten Dialoge, Simon Waskows diabolischer Musik und Henning Heins bedrohlichem Sounddesign.

Und doch gelingt Singer ein ganz eigenständiges Werk mit unverwechselbarem Stil. Ein "Sensuous Thriller", wie der Regisseur seinen Film dann doch kategorisiert hat. In diesem Krimi für die Sinne führt jeder jeden und der Regisseur sein Publikum hinters Licht. Viel mehr kann man von einem Debüt nicht verlangen.

Fazit: "Luz" ist ein beklemmend-faszinierender Genremix, der weniger durch seine reduzierte Handlung als vielmehr durch seine alle Sinne ansprechende Konzeption verblüfft. Debütant Tilman Singer ist ein (über-)sinnlicher Thriller geglückt, den man sich unbedingt auf der großen Leinwand ansehen sollte. Wer Grusel abseits der üblichen Sehgewohnheiten sucht, sitzt im richtigen Film.




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