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Nur eine Frau
Nur eine Frau
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Nur eine Frau (2019)

Das Drama basiert auf der wahren Geschichte des Ehrenmords an Hatun Sürücü.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Hatun Aynur Sürücü (Almila Bagriacik) geht Ende der 1990er in ihrer Geburtsstadt Berlin aufs Gymnasium. Ihre strenggläubigen kurdischen Eltern Deniya (Meral Perin) und Rohat (Mürtüz Yolcu) kamen Anfang der 1970er Jahre aus Ostanatolien in die Stadt. Die 15-Jährige teilt sich ein Zimmer mit drei jüngeren Schwestern, die vier Brüder schlafen in einem anderen Zimmer. Ihr Vater bringt sie in die Türkei und verheiratet sie mit einem ihrer Cousins. Weil der Ehemann sie misshandelt, flieht Aynur hochschwanger zurück nach Deutschland. Nur widerwillig nehmen die Eltern sie wieder auf. Nach der Geburt ihres Sohnes Can spitzt sich die Lage im Elternhaus zu, wo Aynur wie eine Abtrünnige und Sünderin behandelt wird. Sie darf ohne Begleitung das Haus nicht verlassen.

Doch Aynur bekommt mit Hilfe des Jugendamts einen Platz in einem Mutter-Kind-Wohnheim und dann eine eigene Wohnung. Sie holt ihren Schulabschluss nach und beginnt eine Lehre als Elektroinstallateurin. Aynur legt ihr Kopftuch ab und geht Beziehungen mit Männern ein. Drei ihrer Brüder terrorisieren sie am Telefon wegen ihres westlichen Lebensstils. Ihre Beziehung mit dem Deutschen Tim (Jakob Matschenz) zerbricht daran. Aber Aynur sucht weiterhin den Kontakt zu ihrer Familie, besucht sie mit Can. Ihr jüngster Bruder Nuri (Rauand Taleb) erschießt sie 2005, kurz nach ihrem 23. Geburtstag, auf offener Straße.

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Es war ein Mord, der ganz Deutschland erschütterte: Am 7. Februar 2005 wurde die 23-jährige Hatun Aynur Sürücü in Berlin auf offener Straße mit drei Kopfschüssen getötet. Der Täter war ihr jüngster Bruder. Das von der Regisseurin Sherry Hormann ("Wüstenblume") inszenierte Drama schildert mit beinahe dokumentarischer Authentizität die Chronologie der Ereignisse, die mit der Verheiratung der erst 15-Jährigen begann und schließlich zur Katastrophe führte. Es ist die Geschichte eines Familienkonflikts, in dem sich die älteste Tochter dem traditionellen kurdisch-türkischen Rollenbild der Frau verweigert und sich ein eigenes Leben in der deutschen Gesellschaft aufbauen will.

Das Drehbuch von Florian Oeller stützt sich auf die Gerichtsunterlagen. Das Besondere aber ist, dass Aynur der Geschichte als Erzählerin dient. Sie blickt in Voice-Over auf die Ereignisse zurück: "Das bin ich, mein Bruder hat mich erschossen", sagt sie anfangs, als die zugedeckte Leiche auf der Straße gezeigt wird. Als es um Aynurs Verheiratung mit 15 Jahren geht, sagt sie, die Familie habe entschieden, "dass ich den Besitzer wechsele". Diese fiktionale Erzählerin ist eine emanzipierte, selbstbewusste junge Frau, die sehr kritisch benennen kann, wie ihre Familie sie zu unterdrücken versuchte. Auch Almila Bagriaciks lebhafte, überzeugende Darstellung Aynurs lässt den Charakter zur Identifikationsfigur werden. Der Film sieht in jungen Frauen aus dem türkischen Kulturkreis wohl auch eine wichtige Zielgruppe. Er zeigt, dass die lebenshungrige, willensstarke Aynur Unterstützung bekam und Verständnis erfuhr, beim Jugendamt, in der Arbeit, im Freundeskreis.

Im Kontrast dazu wird die Mentalität der Eltern, der Schwester Shirin (Merve Aksoy) und der Brüder geschildert. Besonders der Rollenkonflikt Nuris, der ein starker Mann sein will, der zu einem extremistischen Islamprediger geht und der nicht damit klarkommt, dass sich Aynur von ihm nichts vorschreiben lässt, scheint plausibel auf. Dieser Spielfilm geht mit großer Ernsthaftigkeit an sein Thema heran, er bezieht Position, wühlt auf und regt dazu an, Fragen zu stellen. Wenn es in traditionell orientierten Migrantenfamilien zu Konflikten mit Töchtern kommt, die sich nicht bevormunden lassen wollen, sollten da nicht auch muslimische Sozialarbeiter oder Mitglieder der religiösen Gemeinde frühzeitig den Kontakt zu den Betroffenen suchen und die Bedrängten unterstützen?

Fazit: Regisseurin Sherry Hormann erzählt in diesem packenden, aufwühlenden Drama die acht Jahre währende Vorgeschichte zum Ehrenmord, dem die Berlinerin Hatun Sürücü 2005 zum Opfer fiel. Dabei hält sie sich auf beinahe dokumentarische Weise an die Fakten, rollt das Geschehen aber aus der Sicht der jungen Hauptfigur auf, die es postum mit einer kritischen, selbstbewussten Voice-Over-Stimme kommentiert. So wird einer mutigen jungen Frau aus einer streng patriarchal-muslimischen Familie, die lediglich ein selbstbestimmtes Leben führen wollte, ein filmisches Denkmal gesetzt.




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Land: Deutschland
Jahr: 2019
Genre: Drama
Länge: 97 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 09.05.2019
Regie: Sherry Hormann
Darsteller: Almila Bagriacik als Aynur, Özgür Karadeniz als Bekir, Rauand Taleb als Nuri
Verleih: NFP marketing & distribution, Filmwelt

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