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Mirai - Mädchen aus der Zukunft
Mirai - Mädchen aus der Zukunft
© AV Visionen

Kritik: Mirai - Mädchen aus der Zukunft (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der japanische Anime-Film des Regisseurs Mamoru Hosoda ("Der Junge und das Biest") erzählt aus der Perspektive eines kleinen Jungen, welches Drama es für ein Kind bedeutet, wenn ein Geschwisterchen ins Haus kommt. Auf einmal wird es vom Thron des Einzelkinds gestoßen. Es soll nun warten, zurückstehen, vernünftig sein, Rücksicht auf das Baby nehmen, die elterliche Bewältigung der neuen Aufgaben nicht sabotieren. In seiner Krise helfen Kun neue Bekannte, denen er im Hausgarten in fantasierten Abenteuern begegnet. Es handelt sich um Verwandte aus der Vergangenheit und der Zukunft, die ihm zeigen, dass sie Ähnliches wie er erlebt haben und die seinen Horizont erweitern. Der ansprechend und ideenreich gestaltete Film bekam 2019 eine Oscarnominierung als Bester Animationsfilm.

Ausführlich und schonungslos schildert Hosoda die Doppelbelastung der Eltern, die Beruf und den Haushalt mit zwei kleinen Kindern zu stemmen versuchen. Die Mutter wirkt Kun gegenüber ein wenig kühl, sie ignoriert seine wütenden Rufe entweder oder schimpft ihn, weil er nicht aufräumt. Der Vater, der mit den Kindern allein ist, als die Mutter auf Dienstreise geht, erträgt Kuns Proteste und Ärger geduldig. Mit diesem Mann, der sich so sehr abstrampelt und vor Müdigkeit einmal einfach einnickt, fühlt man als Zuschauer problemlos mit. Kun wird ebenfalls einfühlsam gezeichnet. Wenn er allerdings beim Schreien und Wüten einen erschreckend großen Mund bekommt, sieht er gar nicht mehr niedlich aus, sondern wie von einem Erwachsenen karikiert.

Die Fantasiegestalten in Kuns Abenteuer im Familiengarten lassen erst recht über die filmische Perspektive rätseln. Die Schwester Mirai als großes Mädchen, die eigene Mutter als aufmüpfige kleine Spielgefährtin für Kun, der Urgroßvater als junger Mann, der den Jungen zum Reiten und Motorradfahren mitnimmt, sind zum Teil von aufgeschnappten Bemerkungen oder Fotografien aus dem Familienalbum inspiriert. Doch sie sind auch der lenkenden Absicht eines Erwachsenen, der dem Kind das erklärt, was die Eltern allenfalls anreißen, entsprungen. Die Animationen, wenn Kun mit Mirai durch die Lüfte fliegt oder in der Bahnhofshalle von Tokio strandet, wirken jedoch sehr gelungen in ihrer anschaulichen Art, die Ideenvielfalt auszudrücken und zu bändigen.

Fazit: Der Animationsfilm von Mamoru Hosoda erzählt anschaulich und drastisch vom Eifersuchtsdrama eines Kindes, das ein erstes Geschwisterchen bekommt. Der vierjährige Kun wird in seinem Kummer von Fantasie-Gefährten begleitet und getröstet, die ihn mit der Geschichte und Zukunft der eigenen Familie vertraut machen. Die erzählerische Perspektive folgt meistens dem Kind, hat aber auch pädagogische Züge und zugleich viel Verständnis für die geplagten Eltern, die Beruf, Haushalt und Familienleben irgendwie unter einen Hut zu bekommen versuchen. Mit seinem Ideenreichtum, seinem emotionalen Ernst und der ansprechenden Gestaltung bietet der oscarnominierte Film gehaltvolle Kinounterhaltung.






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