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Kleine Germanen
Kleine Germanen
© Little Dream Entertainment GmbH

Kritik: Kleine Germanen (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Rückt unsere Gesellschaft nach rechts? Und welche Rolle spielt dabei die Kindererziehung in demokratiekritischen bis verfassungsfeindlichen Haushalten? Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger nehmen rechte Erziehungsmethoden unter die Lupe und haben dafür einen außergewöhnlichen Weg gewählt. "Kleine Germanen" ist eine Mischung aus Animations- und Dokumentarfilm inklusive symbolischer Spielszenen. Diese Vermengung unterschiedlicher erzählerischer, dramaturgischer und ästhetischer Verfahren ist jedoch unglücklich.

Das fängt beim animierten Teil an. Elsas Lebensgeschichte, die dem Film als erzählerischer roter Faden und beispielhafter rechtsextremer Werdegang dient, wirkt durch die Überführung in Zeichnungen zugleich ästhetisch überhöht und abgedämpft. Die krassen Handlungen wollen nicht recht zu den niedlichen Bildern passen und werden vielleicht auch deshalb durch eine ernste Erzählerin und dramaturgische Zuspitzungen unnötig plakativ mit Bedeutung aufgeladen.

Das Missverhältnis zwischen dem Gesagten und dem Gezeigten setzt sich im dokumentarischen Teil fort. Während sich Vertreter der rechten Szene in Interviews als brave Spießbürger inszenieren, bleiben die Experten gesichtslos. Ihre aufschlussreichen Aussagen über Strukturen und Mechanismen rechtsextremer Erziehung tragen sie lediglich aus dem Off vor. Eine irritierende formale Entscheidung, die ebenso fragwürdig ist wie jene, (vornehmlich blonde) Kinder als Lückenfüller, als symbolische kleine Germanen spielend durchs Bild hüpfen zu lassen.

Das größte Manko bleibt allerdings die dürftige Argumentation. "Kleine Germanen" will eine Kontinuität vom Nationalsozialismus bis zu aktuellen Sammelbecken wie Pegida und der Identitären Bewegung aufzeigen. Im animierten Fallbeispiel mag dies stimmen, aber inwiefern und inwieweit trifft es auch auf die Interviewten zu?
Statt die Zusammenhänge schlüssig aufzuzeigen, stellt der Film lediglich Aussagen nebeneinander. Und anstatt den Rechten ordentlich auf den Zahn zu fühlen, sie in Widersprüche zu verwickeln oder ihr menschenverachtendes Weltbild zu entlarven, bietet er ihnen eine Plattform, ihr brandgefährliches Gedankengut unter dem Deckmantel des Biedermanns zu verharmlosen. Was "Kleine Germanen" hingegen überdeutlich klarmacht, ist die dringende Notwendigkeit, gesamtgesellschaftliche und (bildungs)politisch gegenzusteuern.

Fazit: Das aufklärerische Anliegen dieses Films ist hehr, die Wahl seiner Mittel unglücklich. Trotz aufschlussreicher Einsichten in die Strukturen und Mechanismen rechtsextremer Erziehungsmethoden argumentieren die Filmemacher unzulänglich, weil sie Aussagen lediglich aneinanderreihen und nicht in einen schlüssigen Zusammenhang setzen.




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