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Kritik: Gestorben wird Morgen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Unterzeile des amerikanischen Titels von Susan Gluths neuem Dokumentarfilm könnte als Motto für die 1960 aus dem Boden gestampfe Stadt Sun City stehen: "Attitude is everything", auf die Haltung kommt es an. Gerade in puncto Haltung können uns die Amerikaner noch einiges vormachen. Egal, wie gut oder schlecht es den im Film porträtierten Menschen der knapp 40.000 Einwohner zählenden Seniorenstadt geht, ihren Lebensmut lassen sie sich nicht nehmen.

Susan Gluth war erstmals 2004 in das verschlafen wirkende Nest in Arizona gereist. In den kommenden 14 Jahren ist sie mehrfach dorthin zurückgekehrt. Diese Vertrautheit, sowohl dem Ort als auch den Einwohnern gegenüber, ist Gluths Film anzumerken. Die von Gluth selbst geführte Kamera, die sie schon mal auf den Boden pflanzt, um das Erwachen der Rasensprenger einzufangen, wirkt nie wie ein Fremdkörper, sondern wie ein Teil der Gemeinschaft, der still in der Ecke sitzt. Eine außerordentliche und rare Qualität.

Bei allem Gemeinschaftssinn – vom vielfältigen Freizeitangebot, über die Freiwilligendienste bis zu den kleinlichen Regeln und Verpflichtungen – blendet Gluth die Schattenseiten dieser Stadt, in der an 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint, nicht aus. An einem Ort ohne Jugend sind Kinder und Enkel meist fern und Freundschaften von kurzer Lebensdauer. Krankheit und Tod sind allgegenwärtig und doch weht eine unglaubliche Vitalität durch diesen Film.

"Gestorben wird morgen" ist ein wunderbar leichtfüßiger Dokumentarfilm, der Lust auf das Alter macht und die Angst vor dem Sterben nimmt. Das bewegende Porträt eines Orts, an dem sich die alte Generation solidarisch unter die Arme greift und dabei den Spaß am Leben nicht vergisst – irgendwo zwischen Golfplatz, Töpferkurs und Garagenrockband namens "One foot in the grave". Ein Film mit Haltung über Alte mit der richtigen Lebenseinstellung.

Fazit: Susan Gluth ist ein wunderbar leichtfüßiges Porträt eines Orts und seiner Bewohner geglückt. Ein Dokumentarfilm, der Lust auf das Alter macht und die Angst vor dem Sterben nimmt.




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