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Tea with the Dames - Ein unvergesslicher Nachmittag
Tea with the Dames - Ein unvergesslicher Nachmittag
© KSM GmbH / Mark Johnson

Kritik: Tea with the Dames - Ein unvergesslicher Nachmittag (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Judi Dench machte den Anfang. Seit 1988 ist die Schauspielerin Dame Commander of the Order of the British Empire. Zwei Jahre später folgte ihre Kollegin Maggie Smith, und seit 2001 beziehungsweise 2004 dürfen sich auch Eileen Atkins und Joan Plowright den Titel vor ihren Namen setzten. (Plowright ist durch ihre Ehe mit Laurence Olivier zudem seit 1971 eine Baroness.) Vom Fluchen hält der Adelsstand die vier Damen indes nicht ab, was vor allem Dench eindrücklich beweist.

Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten blickten die vier Freundinnen auf 342 Lebensjahre, knapp 250 Jahre Berufserfahrung und unzählige Auszeichnungen zurück. Ihrem eigenen Empfinden nach nicht mit klassischer Schönheit gesegnet, mussten sie sich ihre Plätze in der vordersten Reihe britischer Schauspielerinnen hart erarbeiten. Vielleicht haben sie sich deshalb bis heute ihre Bodenhaftung, ihren Humor und ihr Lampenfieber bewahrt.

Regisseur Roger Michell dient als Stichwortgeber, der das Gespräch durch gezielte Einwürfe aus dem Off wiederholt in eine neue Richtung lenkt. Schnell entwickelt die geistreiche Konversation aber eine unbändige Eigendynamik. Dann stellen sich die Freundinnen gegenseitig Fragen, nehmen sich auf den Arm, ergänzen ihre Anekdoten und vollenden wie ein altes Ehepaar ihre Sätze. Sie sprechen über erste Gehversuche und späte Erfolge, über berühmte Kollegen und vernichtende Kritiken, über Shakespeare, der anscheinend nie alt wird, und über das eigene Altern. Plowright sieht kaum noch etwas und bis auf Dench, die selbst eines nötig hätte, haben alle ein Hörgerät.

Apropos alte Ehepaare: Wenn die vier über das mitunter schwierige private wie berufliche Zusammenleben und -arbeiten mit ihren Männer sprechen (Joan Plowright war mit Laurence Olivier verheiratet, der auch mit Maggie Smith und Judi Dench auf der Bühne stand), schwingt zwischen den Zeilen eine kleine Emanzipationsgeschichte mit. Dann vermittelt Michells Film in den durch tolle Archiv- und seltene Privataufnahmen ergänzten Erinnerungen ganz beiläufig, wie schwer es als Frau gewesen ist, sich in diesem Beruf durchzusetzen.

"Tea with the Dames" ist ein gleichermaßen amüsanter, charmanter und intimer Einblick in die Leben vierer Schauspielgrößen. Ein kleiner Ausschnitt der britischen und US-amerikanischen Theater- und Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts und ein mitreißend-humorvoller Dokumentarfilm über vier starke Frauen, von denen man – egal ob auf der großen Leinwand, dem kleinen Schirm oder der Theaterbühne – auch in Zukunft noch so viel mehr sehen möchte.

Fazit: "Tea with the Dames" begleitet vier Schauspielgrößen einen Nachmittag lang mit der Kamera. Roger Michells Dokumentarfilm ist eine ebenso amüsante wie geistreiche Konversation über die Schauspielerei, das Theater, Kino und Fernsehen, über Beruf und Privatleben, über Freundschaft und das Älterwerden.




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