Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
O Beautiful Night
O Beautiful Night
© NFP marketing & distribution

Kritik: O Beautiful Night (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieses Spielfilmdebüt des Regisseurs Xaver Böhm ist ein märchenhafter Trip zwischen Realität und Fantasie. Auf philosophische, aber auch sinnlich-romantische Weise loten drei Charaktere aus, wie sie sich dem Bewusstsein der Endlichkeit stellen. Ihre gemeinsame Reise durch die nächtliche Stadt schmiedet sie zusammen. Auf magische Weise irrlichtert Surreales und Doppeldeutiges durch die Handlung. Denn eine der Personen stellt sich als der Tod höchstpersönlich vor und hat doch viel Menschliches an sich.

Der Tod ist die treibende Kraft dieses Trips, er will mit seinem Schützling, seinem Fang Juri, dorthin, wo etwas los ist. Der Film spielt mit den romantisch idealisierten, untrennbar verbundenen Gegensätzen von Tod und Liebe, von Vollendung und Verfall, von Suchen und Versuchung. Aber er handelt auch von der Einsamkeit und ihrer Überwindung. Wer einsam und voller Angst ist, verpasst womöglich das Leben. Juri, Nina und der Tod sitzen im Auto, holen sich mit ihren Gedanken gegenseitig aus der Reserve, lassen sich von den Farben der Nacht betören, spenden sich tröstliche Nähe. Es entsteht ein schillerndes, fragiles Gleichgewicht, das sich wie beim Tanzen ständig verändern kann. Juri ist der Naive, der lernen will und dabei reift, Nina die Verwundete, die es gewöhnt ist, angeschaut, aber nicht berührt zu werden. Und der Tod gibt sich weise, zynisch und letztlich stärker, als er in seiner Menschengestalt sein kann.

Auf diesem skurrilen Trip hängt der Genuss stark von der Bereitschaft und Neigung der Zuschauer ab, sich einzulassen und geistig mitzumachen. Das Gesehene ist offen für eigene Interpretationen, flüchtig, experimentell. Für die Filmatmosphäre sind die Farben der Nacht von zentraler Bedeutung, die Dunkelheit wird stellenweise von Neon, von künstlichem Glanz in Blau, Grün, Pink, Lila, Gelb überschwemmt. So ähnlich können Stimmungen und Gedanken mit bunter Macht aufpoppen und dem Einzelnen eine ewig gültige Wahrheit vorgaukeln.

Immer wieder unterbrechen Aufnahmen von Gemälden den Fluss der Handlung, wie um sie zu illustrieren. Böhm, der Design studiert hat, verfremdet verschiedene Stillleben alter Meister farblich und fügt Ausschnitte aus ihnen neu zusammen. Die Bilder geben der Geschichte eine zeitlose Anmutung. Schon immer hat die Menschen das Motiv der Vergänglichkeit, der Wermutstropfen im vollen Kelch des Glücks beschäftigt.

Fazit: In seinem Spielfilmdebüt lässt der Regisseur Xaver Böhm drei Charaktere eine Reise durch die nächtliche Stadt unternehmen, auf der sie sich mit der Sehnsucht nach Leben und ihren Umgang mit der Endlichkeit auseinandersetzen. Einer der Drei bezeichnet sich selbst als Tod auf dieser schillernden Gratwanderung zwischen Wirklichkeit und Traum, zwischen Einsamkeit und Entdeckungen, die sich nur im Dialog ergeben. Der ungewöhnliche, kreative Film regt die Fantasie des Publikums auch mit der sinnlichen Bildgestaltung an und geht eine flüchtige, leicht anmutende Verbindung zwischen Atmosphäre und philosophischer Tiefe ein.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.