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Near and Elsewhere
Near and Elsewhere
© dejavu filmverleih

Kritik: Near and Elsewhere (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Near and Elsewhere" legt das deutsch-österreichische Regie-Duo Sue-Alice Okukubo und Eduard Zorzenoni einen essayistisch gestalteten Dokumentarfilm vor. Ausgangspunkt des Werks war die Frage, wie sich Zukunft heutzutage noch konstruktiv denken lässt, wenn die depressiven Tendenzen der Gegenwart dieses Denken allzu sehr lähmen. Somit geht es um die Möglichkeit und Wichtigkeit eines positiven Zukunftsentwurfs. Neben talking heads, die ihre Statements an originellen Orten (etwa im Tieranatomischen Theater in Berlin) abgeben, werden Performance-Passagen und Spielszenen präsentiert, die sich dem Versuch der Orientierung an einem neuen, unbekannten Ort widmen. Oft gehen die zwei sehr unterschiedlichen Ebenen ineinander über: Die beiden Figuren, die in den fragmentarischen fiktionalen Momenten auftreten, wurden als Alter Egos von Okukubo und Zorzenoni konzipiert und treten gewissermaßen mit den Interviewten in einen Dialog.

In den Äußerungen der Befragten kommen interessante Dinge zur Sprache. So erzählt die Marsforscherin Christiane Heinicke etwa davon, wie sie mit einer kleinen Arbeitsgruppe ein Jahr lang auf einer simulierten Marsstation gelebt hat – und wie dafür gesorgt wurde, dass es nicht zu Konflikten kommt. Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx weist derweil darauf hin, dass die Komplexität der Welt in einer Utopie reduziert wird. Die Schriftstellerin Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch beschreibt wiederum eindrücklich die rasche Entstehung eines Konsumverhaltens nach der Auflösung der Sowjetunion.

Ergänzt um die Einlagen einer Samurai-Tänzerin und Einblicke in die Tätigkeit des letzten Leuchtturmwärters in Dänemark ergibt sich ein assoziatives Werk – ein mal akademisches, mal poetisches Brainstorming zum Thema Zukunftsvisionen. Damit ist "Near and Elsewhere" auch ein Gegenentwurf zu den zahllosen Dystopien, mit denen uns insbesondere das Blockbuster-Kino und die Unterhaltungs-Literatur konfrontieren.

Fazit: Ein erhellender Mix aus Interviews und Spielszenen, der sich mit Utopien in einer Zeit des ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Wandels befasst.




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