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Kritik: Berlin Bouncer (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Dokumentarfilm von David Dietl ("Rate Your Date") porträtiert drei Berliner Türsteher, die seit den 1990er Jahren im Geschäft sind. Sie erzählen über ihre Arbeit und ihre Faszination für das Berliner Nachtleben, aber auch über das Älterwerden und die Veränderung der Stadt in den Jahrzehnten seit dem Mauerfall. So wirken die persönlichen Porträts eng verzahnt mit einem Berliner Lebensgefühl, das immer noch von einer kreativen Aufbruchstimmung zehrt, der auch die Gentrifizierung nicht den Garaus machen konnte.

Die drei Männer sind sehr verschieden. Smiley Baldwin wirkt bedächtig, wenig erinnert an seine militärische Vorgeschichte. Er gibt sich als Türsteher umgänglich, sagt aber auch, dass er sich der Gefahren des Jobs bewusst ist. Es sei schon mal vorgekommen, dass ihn ein abgewiesener Gast später irgendwo in der Stadt wiedererkannt und mit seinem Ärger konfrontiert habe. Künster gibt zu, es zu genießen, wenn die schönen jungen Frauen ihn vor dem Club begrüßen und umarmen. Das sieht man im Bild – die Szenen an den Clubtüren sind mit die spannendsten des Films. Smiley will seine Familie von seinem Berufsleben fernhalten, um sie zu schützen. Auch Frank Künster und Sven Marquardt geben sich eher zugeknöpft bei Fragen nach dem Privatleben. Sie sind sich stets bewusst, dass sie ein öffentliches Image besitzen. Einblicke in die Gedankenwelt der Männer jenseits der Arbeit sind also eher flüchtig und beiläufig. Sie ergeben sich beispielsweise, wenn die Kamera die Drei aus der Stadt hinaus begleitet. Marquardt sucht Entspannung am Strand bei Rostock, fährt zur eigenen Foto-Ausstellung nach Turin, Künster besucht seine Schwester in Hanau, die erzählt, dass er sich als junger Mann weigerte, mit der Familie Weihnachten zu feiern. Baldwin bekommt Heimweh nach den Virgin Islands und besucht nach vielen Jahren seinen alten Onkel.

Am wenigsten ergiebig sind noch die Szenen, in denen Künster und Baldwin auf der Straße stehen und erzählen, welchen Club es hier einmal gab. Wie sich die Stadt verändert hat, darüber gibt das Archivmaterial besser Auskunft, vom Mauerfall über die junge Freiheit in alten Gemäuern bis hin zu den Baukränen im Stadtbild. Eine gewisse Distanz Dietls zu den nicht immer pflegeleichten Protagonisten, zum Thema selbst bleibt im Film spürbar. Auch bekommt die Kamera nur wenig konkrete Einblicke in das Nachtleben, wie es wogt und tobt. Hier ist die Vorstellungskraft der Zuschauer gefragt.

Fazit: Der Dokumentarfilm von David Dietl porträtiert drei Türsteher aus Berlin, die in der boomenden Clubszene nach dem Mauerfall zu arbeiten begannen und die der Job nicht losgelassen hat. Smiley Baldwin, Frank Künster und Sven Marquardt sind sozusagen Urgesteine des Berliner Partylebens, sie geben Auskunft darüber, was sie mit dem Partyvolk verbindet und wie sie über das Älterwerden denken. Wie beiläufig ergeben sich dabei zugleich einige interessante Einblicke in die Veränderung der Stadt und ihrer Clubkultur.




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