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Zwei Familien auf Weltreise
Zwei Familien auf Weltreise
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Kritik: Zwei Familien auf Weltreise (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Das Fernweh hat im Kino Konjunktur. Zum einen, weil sich fremde Länder nirgendwo sonst so schön in Szene setzen lassen. Zum anderen, weil jeder Rucksacktourist aus seiner Weltumrundung mittlerweile einen Film macht. Meist unterscheiden sie sich nur in der Art des Fortbewegungsmittels. Die Erde wird zu Fuß, per Anhalter, auf dem Fahrrad oder Motorrad, im Auto oder Bus durchmessen. "Zwei Familien auf Weltreise" trägt seine Besonderheit bereits im Titel, der dennoch in die Irre führt. Hier sind keine Einzelgänger oder Paare, sondern komplette Familien unterwegs. Weiter als bis Südostasien beziehungsweise Neuseeland kommen sie allerdings nicht.

Die Gründe für den Ausbruch aus dem geregelten Arbeits- und Schulalltag der beiden Familien gleichen sich und den meisten anderen Dokumentarfilmen übers Reisen. Auch die Protagonisten dieses Films sind gestresst und frustriert, wollen Ballast abwerfen, Hektik und Druck hinter sich lassen, wieder näher zur Natur, bewusster und minimalistischer leben, alles in allem: ihre Persönlichkeit weiterentwickeln. Besonders bei den Kindern sind die Fortschritte faszinierend und werfen einige unausgesprochene Fragen über unser Bildungssystem auf. Manche der Ansichten (etwa über die Naturverbundenheit anderer Völker) sind hingegen reichlich naiv.

"Zwei Familien auf Weltreise" ist komplett in Eigenregie entstanden. Viele der aufgenommenen Bilder waren ursprünglich vermutlich nur für Marias und Thors Blog beziehungsweise für Sandys und Bennis YouTube-Kanal gedacht. Dementsprechend unterschiedlich ist deren Qualität, dementsprechend selbstbezogen ist die Erzählweise. Am Wegesrand Getroffene kommen zwar vor, aber nicht zu Wort.

"Zwei Familien auf Weltreise" ist ein Mutmacher für alle Unentschlossenen, der zeigt, dass Kinder das Reisen nicht einschränken, sondern ganz im Gegenteil als Bereicherung begriffen werden können. (Wobei erwähnt werden muss, dass beide Parteien auch ungemein pflegeleichten Nachwuchs haben.) Die Protagonisten sind ebenso positiv wie die Grundstimmung. Die von Maria und Thor eingespielte Musik ist locker leicht. Tochter Amy kommentiert die Reise ihrer Familie mit kindlicher Neugier aus dem Off. Negative Aspekte wie gelangweilte Kinder oder Spannung durch das permanente Zusammensein werden zwar erwähnt, aber nicht gezeigt. Das ist schade. Denn gerade hieraus und aus der Lösung solcher Probleme hätte das Publikum einen Mehrwert ziehen können.

All das gleicht mehr einem Reisetagebuch denn einem Dokumentarfilm voller Bilder, die auch auf dem kleinen Schirm gut aufgehoben sind und nicht zwingend auf die große Leinwand drängen.

Fazit: "Zwei Familien auf Weltreise" ist mehr filmisches Reisetagebuch denn Dokumentarfilm, dadurch sehr persönlich, selbstbezogen und unkritisch. Trotz erzählerischer und formaler Mängel punktet der Film dank seiner sympathischen, mitunter naiven Protagonisten als positiver Mutmacher für alle unentschlossenen Familien, die sich nach einer Auszeit vom Arbeitsalltag sehnen.




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