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Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein (2019)

Coming-of-Age-Geschichte nach André Heller: Ein Junge bekämpft die Despotie im Familienhaus und im Klosterinternat mit seiner Fantasie.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Österreich 1959: Der zwölfjährige Paul Silberstein (Valentin Hagg) lebt mit seinem Vater Roman (Karl Markovics), seiner Mutter Emma (Sabine Timoteo) und seinem älteren Bruder Johannes (Nikolaas von Schrader) in wohlhabenden Verhältnissen. Sein Vater ist ein zum Katholizismus konvertierter jüdischer Fabrikant, der durch seine Kriegserlebnisse in die Opiumsucht getrieben wurde und als Ehemann und Vater zur Tyrannei neigt. Paul soll "mindestens Kardinal werden", doch der Junge hat Anderes mit sich vor und will dem katholischen Jesuiteninternat rasch entfliehen. Er schwärmt für die gleichaltrige Leonore (Nora Hochleitner), die auf dem Grundstück neben dem Kloster wohnt, und schreibt ihr zahlreiche Liebesbriefe.

Als es in der Familie zu einem Todesfall kommt, lernt Paul seine drei verschrobenen Onkel Bel (Udo Samel), Louis (André Wilms) und Monte (Werner Friedl) kennen. Überdies erfährt er mehr über die Vergangenheit seiner Familie – und muss seinen eigenen Weg finden, um Freiheit zu erlangen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein" basiert auf der gleichnamigen Erzählung des 1947 in Wien geborenen Multimediakünstlers André Heller. Das 2008 veröffentlichte literarische Werk trägt autobiografische Züge; Heller räumt jedoch anfangs ein, dass die Fantasie beim Schreiben die Oberhand hatte. Mit seinem Co-Autor Uli Brée hat der Regisseur Rupert Henning daraus – wie er selbst es bezeichnet – einen "Ermutigungsfilm" und "Befreiungsfilm" gemacht. Zwischen Skurrilität, Tragik und Komik schildert er eine Nachkriegskindheit und liefert ein leidenschaftliches Plädoyer für Kreativität.

In dessen Zentrum glänzt der bemerkenswerte Leinwanddebütant Valentin Hagg als gewitzter und eigensinniger Zwölfjähriger, der uns mit altklugen Worten via voice-over durch das oftmals groteske Geschehen führt. So weiht Paul uns etwa in die Liste seiner Hauptängste ein, die er in seinem Merk- und Ideenbuch festhält. Immer wieder bekommt der junge Protagonist zu hören, er sei "merkwürdig" – und letztlich nutzt er genau jene Merkwürdigkeit, um sich gegen das grausame Patriarchat und die Kälte in seinem Elternhaus sowie den strengen Katholizismus im Klosterinternat zur Wehr zu setzen und mutig für die eigene Freiheit zu kämpfen. Die betont künstliche Sprache ("Mir geht kein Riss durchs Herz!") sowie die ungewöhnlichen Kameraperspektiven und das extrem überzeichnete Personal sorgen für originelle Momente; hinzu kommen eine exquisite Ausstattung und herrliche Tanzeinlagen.

Neben Hagg können auch Karl Markovics ("Die Fälscher") als verbitterter und tyrannischer Vater sowie Sabine Timoteo ("Die Mitte der Welt") als exzentrisch-weltfremde Mutter mit ihrem theatralischen Spiel überzeugen.

Fazit: Ein äußerst einfallsreicher Mix aus Zeitstück, Satire und Familien-Tragikomödie mit großartigem Ensemble.




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FBW: besonders wertvollPaul Silberstein ist zwölf Jahre alt und Spross einer altehrwürdigen Dynastie Wiener Zuckerbäcker, die ebenso mondän wie merkwürdig daherkommt. Der Vater, vom Judentum zum Katholizismus konvertiert und als Hitler-Gegner während des [...mehr]

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Land: Österreich
Jahr: 2019
Genre: Abenteuer
Länge: 140 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 25.04.2019
Regie: Rupert Henning
Darsteller: Valentin Hagg als Paul Silberstein, Karl Markovics, Sabine Timoteo
Verleih: Piffl Medien

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