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Messer im Herz
Messer im Herz
© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Messer im Herz (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für seine neue Arbeit "Messer im Herz" ließ sich der französische Filmemacher Yann Gonzalez ("Begegnungen nach Mitternacht") vom Leben der Produzentin und Regisseurin Anne-Marie Tensi inspirieren, die in den 1970er und frühen 1980er Jahren zahlreiche schwule Pornos schuf. Das Drehbuch, das Gonzalez gemeinsam mit Cristiano Mangione verfasste, fiktionalisiert Tensis Liebe zu ihrer Cutterin und lässt die tragische Geschichte um Leid und Leidenschaft mit einer wüsten Horror-Story verschmelzen, die im Stil einer kenntnisreichen Giallo-Hommage zwischen Kunst, Kitsch und Splatter daherkommt.

Der blutige Cocktail irisiert lustvoll in verschiedensten Farben und erinnert an die Klassiker von Mario Bava und Dario Argento sowie an das Meta-Kino von Brian De Palma und die schrillste Phase im Œuvre von Pedro Almodóvar. "Messer im Herz" ist aber nicht nur ein ansprechend gestalteter Pastiche, der Genre-Fans und Cinephile durch detailreiche und drastische Zitate begeistern wird; er verfügt zugleich über ganz eigene Stärken. So spielt das Werk klug mit Geschlechterrollen – und findet bei aller Übertreibung zu Momenten aufrichtiger Tragik. Vanessa Paradis ("Die Frau auf der Brücke", "Der Auftragslover") verleiht der überaus ambivalenten Protagonistin etwas extrem Intensives; die von wilder, desperater Liebe angetriebene und durchaus rücksichtslose Filmemacherin nutzt die Todesfälle in ihrem Umfeld für ihr Schaffen, was zu herrlichen Film-im-Film-Passagen führt. Und auch der Killer, der seine Opfer mit einem Dildo mit Schnappklinge tötet, entpuppt sich hinter seiner Latexmaske als trauriges Monster.

Die Kameraarbeit von Simon Beaufils ist ebenso bemerkenswert wie der Score der Electronic-Band M83; alles trägt dazu bei, einen schauerlich-schönen Sog zu erzeugen – als befinde man sich in einem Traum, der ständig zwischen Nachtmahr und erotischer Fantasie changiert. Man möchte nicht erwachen, will die surreale, sinnliche Atmosphäre genießen – und wird doch immer wieder mit dem Grauen konfrontiert.

Fazit: Eine stylishe Liebeserklärung an das schmutzige Kino der 1970er Jahre – und eine clevere Variation von Giallo-Mustern. Im Zentrum glänzt die wunderbare Vanessa Paradis.




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