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Kritik: Liebesfilm (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie sein Titel schon sagt, erzählt dieser Film von der Liebe, aber er tut das, indem er sich zugleich vom Überschwang des romantischen Genres distanziert. Das Spielfilmdebüt der Regisseure Robert Bohrer und Emma Rosa Simon blickt mit ironischem Humor auf einen Berliner Lebenskünstler, der in seinen 30ern steckt und immer noch keinen Wert auf Beruf und Familie legt. Lenz erzählt in Voice-Over, er habe gedacht, dass es immer so weitergehen könne: "Kreuzberg, Anfang Mai, Anfang 30, es ist Montag und ich kann machen, was ich will". Aber Ira findet, dass es für sie Zeit wird, ein Kind zu bekommen, und weil Lenz ansonsten gerne mit Ira zusammen ist, hat er nun ein Problem.

Der locker-flockige, verspielte Ton der Geschichte ähnelt dem Unernst, den Lenz zur Schau trägt. Eine vergnügliche Szene spielt sich im Wald ab, wo Lenz und Ira campen und er Feuer durch Reiben eines Holzstöckchens erzeugen will. Also schickt er Ira los, damit sie ihm schnell mal Pappelsamen und Birkenrinde für das Zundernest holt… Solche Komik offenbart, dass Lenz ein wenig dazu tendiert, mit seinen Vorstellungen danebenzuliegen.

Häufig bezieht sich der Witz auch auf eine grundsätzliche Kluft im Denken von Mann und Frau. Lenz kann sich schlecht in Ira einfühlen. Vieles, was hier zum Lachen reizt, besitzt übrigens hohen Wiedererkennungswert. Das Leben ist voller Momente, in denen man das Ruder nicht oder nur verkehrt herum zu fassen kriegt. Lenz wird von den Ereignissen, von Ira, von seinen Gefühlen zunehmend geschubst und getrieben – die Großstadt kann auch kalt und hektisch wirken.

Völlig ungläubig vernimmt Lenz von seinem Freund und von seiner Mutter, dass das Kinderkriegen auch Leuten passiert, die es nicht herbeigesehnt haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Beziehungsfilmen schildert diese Komödie sehr realistisch, wie unspektakulär und ratlos ein Mann in die Vaterrolle rutschen kann.

Die Charaktere bleiben relativ knapp skizziert und die Handlung springt manchmal recht unzusammenhängend von einem Schauplatz zum nächsten. Dazu gibt es viel Musik, von Klassik und Jazz bis zu Pop aus dem Mittleren Osten. Lustige Kapitelüberschriften führen ebenso in die Gedankenwelt von Lenz ein wie die Fantasiegestalten, die direkt aus den Nachrichten, von der Front oder einer Schiffshavarie, zu ihm ins Zimmer kommen. Sie konfrontieren ihn mit seiner Vorstellung von Männlichkeit und Heldentum. Es macht Spaß, dieser unbekümmert und munter dahinplätschernden Geschichte zu folgen.

Fazit: Das Spielfilmdebüt der Regisseure Robert Bohrer und Emma Rosa Simon ist eine locker-flockige Romantikkomödie. Ein Berliner Anfang 30 wird vom Ernst des Lebens kalt erwischt, als sich seine neue Freundin ein Kind wünscht. Bei seinen Versuchen, das Steuer nicht aus der Hand zu geben, macht er nicht die beste Figur. Realitätsnähe, spielerische Fabulierlust und Ironie gehen eine gelungene, amüsante Verbindung ein.




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