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Eine moralische Entscheidung (2017)

Bedoone Tarikh, Bedoone Emza

Schuld und Sühne: iranisches Drama über den Tod eines achtjährigen Jungen und die Folgen.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

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Eines Nachts hat Dr. Kaveh Nariman (Amir Aghaee) einen Autounfall. Nichts Schlimmes, wie es scheint. Der vierköpfigen Familie um Vater Moosa (Navid Mohammadzadeh) und Mutter Leila (Zakieh Behbahani), die er beim Zusammenstoß von ihrem Motorrad geholt hat, geht es gut. Ihren achtjährigen Sohn, der über eine Beule am Hinterkopf klagt, untersucht Nariman selbst. Moosa besteht zwar darauf, die Polizei zu rufen, doch der Arzt bringt ihn davon ab. Seine Autoversicherung ist abgelaufen. Stattdessen gibt Nariman Moosa Geld für den entstandenen Schaden und drängt ihn dazu, ins Krankenhaus zu fahren, was der Familienvater zunächst zusagt, letztlich aber nicht tut.

Als der Achtjährige am nächsten Tag auf Narimans Obduktionstisch liegt, gerät der Gerichtsmediziner in einen Gewissenskonflikt. Gegenüber seiner Kollegin Dr. Sayeh Behbahani (Hediyeh Tehrani) gibt er zu, den Jungen und seinen Vater zu kennen, er verschweigt ihr aber, woher. Behbahani stellt eine Fleischvergiftung als Todesursache fest. Die Schwellung am Hinterkopf schließt sie als Ursache aus. Weil sie nichts von dem Verkehrsunfall weiß, untersucht sie den Jungen aber auch nicht an dessen Wirbelsäule. Während Leila ihrem Ehemann Vorwürfe macht und Moosa daraufhin gegenüber dem Fleischverkäufer auf Rache sinnt, lässt Nariman die Unfallnacht nicht los. Wer ist schuld am Tod des Jungen?

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Trotz strenger Reglementierungen floriert das iranische Kino. Neben dem 2016 verstorbenen Abbas Kiarostami sind Jafar Panahi und Asghar Farhadi derzeit seine bekanntesten Vertreter. Ein Regisseur wie Panahi ("Taxi Teheran", "Drei Gesichter") dreht mittlerweile heimlich und schmuggelt seine Filme anschließend aus dem Land, um die Zensur zu umgehen. Er selbst fehlt auf internationaler Bühne. Panahi steht unter Berufsverbot und darf den Iran nicht verlassen. Farhadi ("Nader und Simin – eine Trennung", "The Salesman") erzählt stets geschickt zwischen den Zeilen. Seine Gesellschaftskritik ist versteckter und auch in seinem Heimatland zu sehen. Mit Vahid Jalilvand erhält das ohnehin schon stimmgewaltige iranische Kino eine weitere kräftige Klangfarbe. Auch bei Jalilvand muss das Publikum ganz genau hinschauen.

Der 1976 geborene Theater- und Fernsehregisseur kam spät zum Kino. Er debütierte 2015 mit "Wednesday, May 9". Das Drama über einen Philanthropen, dessen gut gemeinte Spende fatale Folgen nach sich zieht, wurde unter anderem bei den Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet. Dort lief 2017 auch "Eine moralische Entscheidung", ebenfalls preisgekrönt. In der Sektion "Orizzonti" erhielten Jalilvand als bester Regisseur und Navid Mohammadzadeh, der den verzweifelten Vater Moosa spielt, als bester Darsteller einen Löwen. In seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm hat sich Jalilvand viel von Farhadi und Panahi abgeschaut; von Letzterem die intensiven Autofahrten, von Erstgenanntem die verschachtelte Handlung und das moralische Dilemma.

Für dieses Dilemma ist eine einzige Unaufmerksamkeit verantwortlich. Als der Gerichtsmediziner Kaveh Nariman (Amir Aghaee) in seinem Wagen von einem anderen geschnitten wird und ausweicht, rammt er eine vierköpfige Familie vom Motorrad. Es folgt eine dicht inszenierte Kaskade falscher Entscheidungen, die sich minutiös zur unausweichlichen Tragödie steigert. Ein Grund dafür ist die Verschwiegenheit der Figuren. In einer Gesellschaft, deren Mitglieder nicht alles offen aussprechen, kommt die Wahrheit erst nach und nach zur Sprache. Jalilvands Drama ist ein mitreißend gespieltes und in seiner formalen Zurückhaltung ungemein klug inszeniertes Puzzle, dessen Teile sich ganz gemächlich zusammenfügen.

Vordergründig geht es um die Frage nach Schuld und Sühne. Dazwischen erzählt "Eine moralische Entscheidung" viel über das Verhältnis von Bürgern zu ihrem Staat, über das Verhältnis von Frauen und Männern, über Frauen- und Männerbilder, über Ehre, Gewissen, Moral und Klassenunterschiede. Ein stiller Film, in dem das Unausgesprochene umso lauter nachhallt.

Fazit: Vahid Jalilvands zweiter abendfüllender Spielfilm ist ein leises, klug inszeniertes und intensiv gespieltes Drama über Schuld und Moral, das zwischen den Zeilen auf einnehmend zurückhaltende Weise von Machtverhältnissen und Klassenunterschieden erzählt.




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Land: Iran
Jahr: 2017
Genre: Drama
Länge: 104 Minuten
Kinostart: 20.06.2019
Regie: Vahid Jalilvand
Darsteller: Amir Aghaee, Zakieh Behbahani, Saeed Dakh
Verleih: farbfilm verleih

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