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Der Illegale Film
Der Illegale Film
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Kritik: Der Illegale Film (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Titel dieses Dokumentarfilms verweist auf ein grundlegendes Problem unserer Zeit. Überall im öffentlichen Raum, auf Reklametafeln, im Internet begegnen einem Bilder, die jemandem gehören. Sie aufzunehmen und weiterzuverbreiten wäre in vielen Fällen illegal, womöglich auch im Falle eines Films, der sich mit dem Themenkomplex der Bilderflut und ihrer Urheberschaft befasst. Für ihre zweite Zusammenarbeit nach "Kinshasa Symphony" aus dem Jahr 2010 haben die Regisseure Martin Baer und Claus Wischmann viel im Internet gefundenes Bildmaterial verwendet. Der Abspann ist ungewöhnlich lang, denn er listet rund 400 Quellen auf.

Hinzu kommen Stellungnahmen und Textzitate von Experten aus den Bereichen Fotografie, Medien, Computerwesen, Recht. Der Film blickt auch kurz zurück zu den Anfängen der Fotografie, die als revolutionäre Technik gefeiert wurde. Heute scheint nur noch zu existieren, was fotografiert oder gefilmt und im Internet geteilt wird. Menschen machen Selfies, um sich ihrer selbst zu vergewissern. Dabei können Bilder jedoch nur einen kleinen, oberflächlichen Ausschnitt der Wirklichkeit, des wahren Lebens zeigen und oft ist auch der verzerrt, gestellt, vorinterpretiert. Wo schaut man im täglichen Leben hin, was sieht man selbst – die echten Menschen und Dinge, oder bloß ihre Abbilder? Solche philosophisch getönten Fragen werden auf spannende Weise erörtert.

Martin Baer filmt wiederholt seine eigene Tochter Mascha, die mit ihrem ersten Fotoapparat munter drauflos knipst. Die Menschen lieben es eben, Bilder zu machen und zu zeigen. Aber die komplizierten Fragen des Urheberrechts und erst recht der Sammlung und Verwertung von Daten im öffentlichen Raum und im Internet drohen den Einzelnen bereits zu überfordern. Diese Aspekte reißt der Film nur an. Allein schon das Thema der Nutzungsrechte von Bildern hätte locker einen ganzen Film füllen können. Hier erfährt man darüber zu wenig – wesentlich besser gelingt dem Film die Argumentation, dass die Bilderflut bereits jetzt und mit steigender Tendenz die Aufmerksamkeit der Menschen von den echten Dingen ablenkt.

Fazit: Die Dokumentarfilmer Martin Baer und Claus Wischmann setzen sich kritisch mit der täglichen Bilderflut auseinander, der modernen Lust am Fotografieren und der Gefahr, Aufnahmen mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Zu einer hauptsächlich aus Internet-Fundstücken zusammengeschnittenen Bildebene reflektieren sie, unterstützt von Expertenaussagen, inwiefern eine aus Bildern bestehende Kommunikation die Wahrnehmung der Realität verändert. Zu solch spannenden Fragen von philosophischer Tiefe gesellen sich eher knappe Hinweise auf komplizierte Urheberrechtsfragen im Umgang mit Bildern. Der Film ist empfehlenswert für alle, die sich einen Überblick über die möglichen Schattenseiten des wachsenden Bilderkonsums verschaffen wollen.




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