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Kritik: WKDW - Was kostet die Welt (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Dokumentarfilmerin Bettina Borgfeld spricht von einer "Piratengeschichte", die sich auf der idyllischen Kanalinsel Sark zugetragen habe. Seit die Milliardäre David und Frederick Barclay vor über zehn Jahren in großem Stil Grundstücke und Gebäude auf der Insel aufzukaufen begannen, herrscht Unruhe unter den rund 600 Bewohnern. Die Filmemacherin schildert aus dem Off und im Gespräch mit alteingesessenen Insulanern und mit Wirtschaftsexperten die wichtigsten Etappen eines Machtkampfes, der eine über Jahrhunderte erprobte und funktionierende Gemeinschaft in die Mangel nimmt.

Ein alter Bewohner lacht, als er feststellen muss, dass die auf der Insel bis Anfang des 21. Jahrhunderts herrschenden Gesetze nicht menschenrechtskonform gewesen seien. Es wirkt beinahe absurd, dass ausgerechnet zwei Finanzinvestoren, welche die urige Insel vermutlich als Steuerparadies schätzen, demokratische Prinzipien und eine moderne Gesetzgebung in Gang setzten. Mit Demokratie aber haben die Milliardäre nicht viel am Hut, wie die Parlamentarier nun wissen – zumindest wenn sie nicht in ihrem Sinne funktioniert. Die kritische Abgeordnete Rosie, die eine Pension betreibt, sieht sich einer Diffamierungskampagne im örtlichen Newsletter ausgesetzt. Der Nervenkrieg setzt ihrer Ehe zu. Ein alter Bewohner bedauert, dass alteingesessene Nachbarn ihre Grundstücke so bereitwillig an die Investoren verkauften, angelockt vom großen Geld. Die neuen Nobelhotels wiederum gehen an der touristischen Zielgruppe vorbei: Die Naturschönheiten und die Ruhe sind weniger bei den Reichen, als bei mittelständischen Wanderern und Spaziergängern beliebt.

Was stellenweise wie eine possenhafte Räuberpistole klingt, ist bitterer Ernst. Die Angst und Ratlosigkeit mancher Bewohner wird deutlich spürbar. Die liebliche grüne Landschaft, auf der Schafe weiden, die felsige Küste sorgen für eine filmische Atmosphäre, die in emotionalen Kontrast zur inhaltlich aufgebauten Spannung gerät. Was besonders empört, ist der Eindruck, dass London sehr weit weg zu sein scheint, wenn es um die Not der Alteingesessenen auf Sark geht.

Fazit: Auf der Insel Sark im Ärmelkanal sind die Bewohner traditionell stolz auf ihre Autonomie und Selbstverwaltung. Doch zwei milliardenschwere Investoren haben mit dem systematischen Ankauf von Grundstücken und Immobilien das Machtgefüge durcheinandergebracht. Die Folge ist ein erbittert geführter Kampf um die Gesetzgebung und die Regeln des Zusammenlebens, der manchen Einwohnern längst aussichtslos erscheint. Die Dokumentarfilmerin Bettina Borgfeld nimmt auf spannende Weise skandalöse Vorgänge auf der Insel ins Visier, die aufzeigen, welche weitreichenden Folgen die Macht des großen Kapitals haben kann.




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