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Kritik: Orangentage (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser charmante, leicht verträumte Jugendfilm basiert auf dem gleichnamigen Roman von Iva Procházková, die auch das Drehbuch schrieb. Unter der Regie des Tschechen Ivan Pokorný vertieft sich das atmosphärisch dichte Coming-of-Age-Drama in den Sommer eines tschechischen Jungen, der von der Kindheit Abschied nimmt. Die erste Liebe, die Nöte der Menschen in der ländlichen Region und speziell in seiner Familie, die Trauer um die Mutter und ein Zerwürfnis mit dem Vater verändern seinen Blick auf die Welt und sich selbst. Dareks Sommer hat süße Momente und bietet Raum für jugendliche Fantasie, aber er bringt auch Enttäuschungen und heftige Konflikte. Diese durchwachsene Episode eines jungen Lebens pendelt überzeugend zwischen Realismus und der Fähigkeit von Teenagern, sich von einem Gefühl, einer Sehnsucht verzaubern zu lassen.

Der Hauptdarsteller Tomáš Dalecký spielt den Jugendlichen, der viel Verantwortung aufgebürdet bekommt, hervorragend. Der schlaksige Junge ist aufgeweckt und erfüllt seine Pflichten voller Ernst. Aber als er Hanna zum ersten Mal mit den Augen eines Mannes anschaut – und der Film seine Fantasie eines Bikinimädchens verrät – bekommt sein Gesicht einen Ausdruck entwaffnender Verzauberung. Darek kann leicht ins Schwärmen geraten, weil Hanna nach Orangen duftet, weil sie weiß, was ein Junge mit seinem ersten Barthaar machen muss. Allein schon wegen diesem differenziert gezeichneten, lebhaften Hauptcharakter macht der Film Spaß.

Aber er bietet noch weitere Reize. Der in den Lausitzer Bergen gelegene Ort, an dessen Rand Dareks Elternhaus in grüner Landschaft steht, bietet eine funktionierende Nachbarschaft. Da gibt es den alten Mann mit der Beinprothese, der Darek viel über Pferde beibringt. Oder die junge Postangestellte Marta (Ewa Farna), die öfter mal den Vater besucht und für alle kocht, und die auch Dareks rasende Eifersucht tapfer erträgt. Diese Menschen helfen einander, spenden sich ein wenig Geborgenheit. Die wunderschöne Gegend mit ihren bewaldeten Hügeln bietet Darek und Hanna Gelegenheit, in trauter Zweisamkeit sommerliche Badefreuden oder das Licht der Abendsonne zu genießen. Hier scheint die Welt im Kern noch irgendwie in Ordnung zu sein, auch wenn sie ihre Bewohner nicht vor handfesten Krisen bewahren kann.

Fazit: Das auf dem gleichnamigen Jugendroman von Iva Procházková basierende Coming-of-Age-Drama entführt in die liebliche, aber wirtschaftlich abgehängte Region der tschechischen Lausitzer Berge. Der jugendliche Held muss nach dem Tod der Mutter viel Verantwortung in der Familie übernehmen. Dieser Sommer, in dem er sich zum ersten Mal verliebt, beschert ihm auch den Abschied von den letzten Illusionen der Kindheit. Der von Ivan Pokorný inszenierte Film überzeugt mit seinem hervorragend gespielten Hauptcharakter und der trotz der Härten des Lebens heimeligen Dorfatmosphäre.




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