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Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen
© Grandfilm

Kritik: Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seiner neuen Arbeit "Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen" befasst sich der 1977 in Bukarest geborene Filmemacher Radu Jude ("Scarred Hearts") mit den Hürden, die eine künstlerische Auseinandersetzung mit dunklen Kapiteln der Historie zu überwinden hat. Er erzählt von einer ambitionierten Regisseurin, die in ihrer Heimat Rumänien auf den Antisemitismus und die Mitschuld des eigenen Landes am Massenmord im Zweiten Weltkrieg aufmerksam machen will und zu diesem Zweck eine Nachstellung der damaligen Ereignisse auf einem öffentlichen Platz in der Hauptstadt plant.

Jude schildert die Konflikte der jungen Frau jedoch nicht als klassischen Spielfilm, sondern eher als audiovisuellen Diskurs. Zu Beginn folgt etwa auf die alten Aufnahmen einer rumänischen Wochenschau, die auf einem Monitor gezeigt werden, eine kurze Einführung, in welcher sich die Hauptdarstellerin Ioana Iacob vorstellt und uns mit Blick in die Kamera erklärt, dass sie nun in die Rolle der Regisseurin Mariana schlüpfen werde. Im weiteren Verlauf des Werks baut Jude zahlreiches Archivmaterial ein, das wir meist gemeinsam mit Mariana sichten. Oft liest diese auch längere Passagen aus Publikationen vor, wodurch ihre Recherche eine dokumentarische Anmutung erhält. Zu den spannendsten Sequenzen von "Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen" zählen die Diskussionen zwischen Mariana und dem Kulturbeauftragten Movila, der darum bemüht ist, die "harten Sachen" der Inszenierung abzumildern. Dabei entstehen interessante Wortwechsel zum Thema Kunst, Zensur und Subversion.

Die Protagonistin Mariana erweist sich als durchaus ambivalente Persönlichkeit; Ioana Iacob spielt sie mit etlichen Ecken und Kanten. Große und teilweise bittere Satire-Momente ergeben sich immer dann, wenn Mariana mit den Klagen der Mitglieder der Komparserie konfrontiert wird und in den Aussagen der Leute noch immer ein Leugnen der vergangenen Schuld sowie rassistische und sexistische Untertöne mitschwingen.

Fazit: Ein komplexer Film über die Aufarbeitung von Geschichte, über Tabus und die (Un-)Möglichkeiten der Kunst, sich sensiblen Themen zu widmen.




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