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Kritik: Das Leben meiner Tochter (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es gibt bekanntlich viel mehr Menschen, die ein neues Herz oder ein anderes Organ benötigen, als Spenderorgane. Einer Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation zufolge sterben in Deutschland im Schnitt täglich drei Menschen, die vergeblich auf eine Organtransplantation gewartet haben. Auch die achtjährige Jana wird ohne ein neues Herz bald sterben müssen. In seinem zweiten Spielfilm geht der Regisseur und Drehbuchautor Steffen Weinert ("Finn und der Weg zum Himmel") der Frage nach, wie weit ein verzweifelter Vater zu gehen bereit ist, um das Leben seines Kindes zu retten.

Ein Jahr wartet die Familie schon auf die Organspende und darauf, ihre Tochter wieder aus der Klinik nach Hause holen zu können. Als Micha sieht, dass sich Jana in der Klinikbücherei ein Kinderbuch über den Tod ausgeliehen hat, schrillen bei ihm die Alarmglocken. Er kann nicht länger tatenlos zuwarten, ob das Spenderorgan noch rechtzeitig kommt. Zuerst diskutiert er noch mit seiner Frau, doch weil sie anderer Meinung ist, meldet er Jana hinter ihrem Rücken für eine illegale Organspende an. Er fängt an, zu lügen und zu betrügen, seine Skrupel sinken stetig. Aber die Klinik in Rumänien, in der das neue Herz transplantiert werden soll, wirkt nicht gerade vertrauenerweckend. Das Drama wird hauptsächlich aus Michas Perspektive geschildert, dem die Entscheidung zwischen Kindeswohl und Ethik letztlich nicht leichter fällt, nur weil er sie allein treffen wollte.

Micha trägt absichtlich den Nachnamen Faber, denn Weinert sieht den Charakter als einen Nachfahren von Max Frischs Romanheld Homo Faber. Wie dieser glaubt Micha an die Lösbarkeit jedes Problems. Der illegale Organhandel ist hingegen ein ungelöstes und auch zu wenig beachtetes Problem unserer Tage. Leider stellt es der Film holzschnittartig vor, wie er auch das emotionale Drama dieser Familie eher zu simpel und auf Sparflamme schildert, als sich näher darauf einzulassen. Die Dialoge wirken aufs Nötigste reduziert und sehr pragmatisch, manchmal auch schlicht aufgesagt. Christoph Bach lässt Micha zwar getrieben wirken, stattet den Charakter aber nicht deutlich genug mit einer Bandbreite verschiedener Gefühle aus. Insgesamt kommt der Film über das Niveau problemorientierter Fernsehunterhaltung nicht hinaus.

Fazit: Der Regisseur und Drehbuchautor Steffen Weinert befasst sich in diesem Drama mit dem Dilemma eines Vaters, der für die Rettung seiner Tochter auch illegale Wege zu gehen bereit ist. Weil das Mädchen dringend ein Spenderherz braucht, kontaktiert er im Ausland Organhändler und gefährdet damit nicht nur seine Ehe. Die Not des Vaters, die sein Wertgefüge verschiebt, teilt sich zwar als emotional dringlich mit, aber die Charaktere erfüllen in der pragmatischen, zurückhaltenden Inszenierung vor allem die Aufgabe von Stichwortgebern. Der Film versucht, die Kontrolle über die Wucht des Themas zu behalten, indem er es verknappt und vereinfacht abhandelt.




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