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Kritik: Der Esel hieß Geronimo (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Dokumentarfilm von Arjun Talwar und Bigna Tomschin erzählt von ein paar Gestrandeten, die ihrem zerplatzten Traum vom Leben auf einer kleinen Ostseeinsel in der Flensburger Förde nachhängen. Drei Männer bewohnen ein Schiff im Flensburger Hafen, sie wollen offenbar den Winter über ausharren und abwarten, was die Zukunft bringt. Ihre Gespräche beim Essen oder Biertrinken kommen immer wieder auf die Insel zurück. Während sich die beiden deutschen Männer nordisch wortkarg geben und auch andere Eingeweihte vor der Kamera nicht viel erzählen mögen, gerät ein Migrant, den es hierher verschlug, manchmal noch regelrecht ins Schwärmen über die Gemeinschaft auf der Insel. Er dient im Film auch als Voice-Over-Erzähler, der wie ein Philosoph über den Mythos des Inseldaseins und die mit ihm verbundenen utopischen Träume nachdenkt.

Es ist schon eine Weile her, seit auf der Insel eine Handvoll Pächter wohnten. Genaue Angaben werden in diesem Film anscheinend bewusst nicht gemacht, auch das Nachfragen bei den aus dem Paradies Vertriebenen ist den Filmemacher nicht so wichtig. Das Ungefähre, Raunende ist Methode, es schafft einen atmosphärischen Schwebezustand, in dem das Projekt, das scheiterte, zur zeitlosen Legende gerinnt. Ein- zweimal schaut sich die Kamera auch ein wenig auf der besagten Insel um, der Architekt schneidet dort Wildblumen und Zweige für einen großen Strauß und schwärmt von der Pflanzenwelt. Dann gibt es noch ein paar Amateuraufnahmen von früher, die aber auch sozusagen ins Blaue schauen, den Naturimpressionen gelten.

Die Filmemacher interessieren sich eigentlich am ehesten dafür, die ihrer Sesshaftigkeit beraubten Männer auf den Booten zu beobachten, vor allem in ihrer Ratlosigkeit und Melancholie. Man weiß als Zuschauer nicht wirklich, wovon sie leben, was sie früher einmal gemacht haben. Waren sie schon vor dem Inselprojekt – das nur vage als eine Art Lebens- und Arbeitsgemeinschaft beschrieben wird – nur lose in der bürgerlichen Gesellschaft verankert? Jeder von ihnen hätte sicherlich interessante Geschichten zu erzählen gehabt aus dem eigenen Leben, allein, der Film fragt sie nicht ab. Es entsteht durch die Blume die Suggestion, das Inselprojekt sei von Anfang an ein Denkfehler, ein zum Scheitern verurteilter Irrtum gewesen. Ob das so gesehen werden muss, lässt sich aber aus Zuschauersicht nicht im Geringsten beurteilen.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Arjun Talwar und Bigna Tomschin spürt dem gescheiterten Projekt einer Inselbesiedlung in der Ostsee nach. Er beobachtet ein paar der ehemaligen Teilnehmer, die nun im Hafen von Flensburg auf bessere Zeiten warten. Die Erzählungen über Aufbruchstimmung, Blütezeit und das Stranden der kurzen Utopie im Dauerstreit bleiben vage und allgemein, wie um den zeitlosen Symbolcharakter einer Insel als Parallelwelt zu betonen. Es entsteht eine melancholische, auf raunende, wortkarge Art ins Philosophische driftende Atmosphäre, in der den Zuschauern zu wenig orientierende Informationen geboten werden.




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