VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Britt-Marie war hier
Britt-Marie war hier
© Prokino © Studiocanal

Kritik: Britt-Marie war hier (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es ist nie zu spät für einen neuen Weg, nicht einmal im dritten Lebensabschnitt. Dabei stehen die Chancen für Britt-Marie ziemlich schlecht, plötzlich auf eigenen Beinen zu stehen. Denn sie hat in ihrer 40-jährigen Ehe das Leben einer Hausfrau geführt. Ihr Heim, ihr Versorgtsein in den Wind zu schlagen und einfach fortzuziehen, grenzt an Tollkühnheit. Aber für ein Weiterleben mit ihrem Mann fehlt Britt-Marie, die so viel Wert auf geordnete Verhältnisse legt, jegliches Fundament, seit sie seiner Geliebten begegnet ist. Die schwedische Regisseurin Tuva Novotny hat eine von trockenem skandinavischem Humor durchzogene Schmunzelkomödie inszeniert, die auf dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Fredrik Backman ("Ein Mann namens Ove") basiert.

"Ein Schritt nach dem anderen, Britt-Marie!", spricht sich die Filmheldin Mut zu, wenn die Angst sie auf ihrem Weg ins Unbekannte zu überwältigen droht. Und das ist oft der Fall. Im Jugendzentrum zieht sie erst einmal ihre Kittelschürze an. Und wenn sie zum Training aufs Fußballgelände geht, hält sich diese unscheinbare, ernste Frau stets an ihrer Handtasche fest. Sie wirkt fremd in ihrer neuen Rolle, weder hat sie einen Draht zu den Kindern, noch zu dieser Sportart. Für ähnlich deplatziert wird auch die Seniorin in "Edie – Für Träume ist es nie zu spät" von manchen ihrer Mitmenschen gehalten, als sie sich daran wagt, einen hohen Berg in Schottland zu erklimmen. In beiden Filmen ist Melancholie spürbar, die von den Protagonistinnen selbst tapfer in Schach gehalten wird. Sie haben beinahe lebenslang auf Selbstverwirklichung verzichtet und geglaubt, das Richtige zu tun.

Britt-Marie verrät in ihrer Voice-Over-Erzählung viel von ihrer Lebenseinstellung, die sie wie einen Schutzschild vor sich herträgt. Ihre Gewissheiten erweisen sich rasch als brüchig. Der skandinavische Humor geht nicht zimperlich mit Britt-Marie um. Von den Kindern muss sie sich einige respektlose Bemerkungen anhören. Britt-Marie erfährt aber auch Wertschätzung und Freundschaft durch Charaktere wie den Polizisten Sven (Anders Mossling) und den Pizzeriabetreiber Memo (Mahmut Suvakci), die sehr sympathisch wirken. Eine spannende psychologische Tiefe erhält der Film durch Britt-Maries späte Erkenntnis, dass sie seit der Kindheit unbewusst einem falschen Bild von sich selbst anhing.

Fazit: Diese unterhaltsame, auf dem gleichnamigen Roman von Fredrik Backman basierende Schmunzelkomödie ist von trockenem skandinavischem Humor und einer Spur Melancholie durchzogen. Eine 63-jährige Hausfrau, deren Selbstwertgefühl auf Ordnung und Sauberkeit gründet, verlässt ihren Mann nach 40 Jahren Ehe. Sie ergreift die einzige Jobchance, die sich ihr bietet, nämlich Betreuerin und Fußballtrainerin in einem Freizeitheim für Kinder und Jugendliche zu werden. Unter der Regie von Tuva Novotny nimmt eine konfliktreiche Geschichte ihren Lauf, die auf emotionale Anbiederung und Übertreibung verzichtet und sich sensibel der psychischen Entwicklung der Heldin widmet.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.