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Está todo bien - Alles ist gut
Está todo bien - Alles ist gut
© dejavu filmverleih

Kritik: Está todo bien - Alles ist gut (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der in Caracas geborene Dokumentarfilmer Tuki Jencquel hat in seiner venezolanischen Heimatstadt in den Jahren 2016 und 2017 den Zusammenbruch des Gesundheitssystems beobachtet. Jencquel, der seit einem Jahr in Deutschland lebt, begleitete zwei Krebspatientinnen, einen jungen Arzt, eine Apothekerin und einen Wohlfahrtsaktivisten in ihrem äußerst schwierigen Alltag. Krank zu werden oder einen Unfall zu erleiden, kann mangels Medikamenten in Venezuela schnell ein Todesurteil sein.

Die Zuschauer werden in diesem aufwühlenden Film ganz nahe an die Not der Menschen in Caracas herangeführt. Dabei bleibt das Elend der Ärmsten bewusst ausgespart. Jencquel geht es hier nur um die Auswirkungen eines konkreten Mangels und Missstands auf das Leben von Menschen, die an sich zur Mittelschicht gehörten und existenzielle Not in dieser Form nicht kannten. Seither hat sich die Lage in dem krisengeschüttelten Land nicht gebessert. Die junge Krebspatientin Rebeca ist nicht mehr am Leben, der Arzt Efraim arbeitet in Chile als Busfahrer, der Aktivist Francisco hat in den USA Asyl beantragt.

Im Film sieht man während einer tumultartigen Szene im Parlament, wie junge Ärzte laut gegen die Zustände im Gesundheitswesen protestieren. Efraim gibt sich unerschrocken, aber er weiß, dass das Regime ihn wegen seiner Kritik aus dem Verkehr ziehen könnte. In einer therapeutischen Psychodrama-Gruppe spricht er über seine Ängste. Diese wie Proben für ein Bühnenstück anmutenden Passagen sind in Schwarz-Weiß gedreht. Die von Psychologen betreute Gruppe wurde aber nicht nur gebildet, um dem Film die Dokudrama-Anteile zu liefern, sondern auch, um den krisengeschüttelten Protagonisten einen gewissen seelischen Rückhalt zu bieten.

Jencquel filmte auch in der Klinik-Notaufnahme, in der Efraim arbeitete, und zwar ohne offizielle Erlaubnis, die es ohnehin nicht gegeben hätte. Außerdem zeigt er die Protagonisten auch in ihrem privaten Umfeld. Immer wieder nimmt die Kamera zwischendurch die malerisch von Hügeln umgebene Stadt Caracas ins Visier. So oder so ähnlich wie dieser Handvoll Einwohner geht es allen, die hier nur hoffen können, die Versorgungskrise und die Diktatur zu überleben. Eindringlicher als in diesem engagierten, wichtigen Film lässt sich kaum zeigen, was dieser Staat seinen Menschen zumutet.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Tuki Jencquel schildert am Beispiel fünf verschiedener Bewohner der venezolanischen Hauptstadt Caracas, welche katastrophalen Folgen der Zusammenbruch des Gesundheitssystems im Land hat. Die Nöte zweier Krebspatientinnen, einer Apothekerin, eines Arztes und eines Wohlfahrtsaktivisten teilen sich aufwühlend mit. Die Beobachtungen aus dem Alltagsleben werden flankiert von einer inszenierten Performance, in der die Protagonisten ihre Gefühle gruppentherapeutisch aufarbeiten. Diese kreative, doppelgleisige Form der Erzählung ermöglicht tiefe Einblicke in die Realität einer Gesellschaft im permanenten Ausnahmezustand.








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