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The Artist & The Pervert
The Artist & The Pervert
© eksystent distribution filmverleih

Kritik: The Artist & The Pervert (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

The Artist & the Pervert" wurde als gemeinsames Projekt von René Gebhardt und Beatrice Behn realisiert. Gebhardt arbeitet als Filmemacher, freiberuflicher Artdirector und Designer, die Filmwissenschaftlerin Behn ist neben ihrer Regie-Tätigkeit als Kritikerin beschäftigt. Sie leitet die Redaktion des Kino- und Filmportals "kino-zeit.de" und schreibt nebenbei unter anderem für die FAZ und die FAS.

"The Artist & the Pervert" konfrontiert den Zuschauer mit seinen ganz eigenen, individuellen Moral- und Wertevorstellungen. Denn die Art der Beziehung, die Georg und Mollena leben, ist nicht nur exotisch und außergewöhnlich – sie bricht mit jeglichen gesellschaftlichen Erwartungshaltungen und "allgemeingültigen" Beziehungsformen. Doch genau das ist ein Anliegen dieses mutigen, seine Protagnisten nie bloß stellenden Films: zu zeigen, dass das Denken in Schubladen, das Verurteilen und all die in unseren Köpfen festsetzenden Vorurteile und Klischees uns letztlich nur daran hindern, das Leben zu führen, das wir insgeheim vielleicht führen wollen.

Georg und Mollena führen exakt ein solches, (sexuell) erfüllendes Leben, dass sie sich immer gewünscht haben. Sie wirken zufrieden und mit sich im Reinen. Gebhardt und Behn kommen den Porträtierten dabei immer wieder sehr nah, führen intensive Gespräche und erfahren dadurch auch, wie weit und steinig der Weg war, der letztlich in diese harmonische Bindung führte. Etwa dass sich Georg viele Jahrzehnte nicht eingestehen wollte, dass er sich von BDSM angezogen fühlt und dies leben will. Ausgerechnet er, der eigentlich politisch links verortet ist und sich als aufgeklärter, bekennender Feminist ansieht, steht darauf, Frauen unterwürfig zu behandeln und zu dominieren.

Und dann Mollena, die viele Jahre unter ihrer Alkoholsucht litt, allerdings – im Gegensatz zu Georg – seit jeher offen mit ihrer Sexualität umgeht. Spannend ist es zu beobachten, dass die Grenzen zwischen dem Künstler und Komponisten Georg und der dienenden Sklavin Mollena hier und da verschwimmen. Dann ist Mollena diejenige, die mit ihrer Perfomance-Arbeit und Autorentätigkeit als Freigeist und Kunstschaffende auftritt und Georg mit ihrem selbstsicheren Auftreten sowie ihrer physischen Präsenz zu dominieren scheint. Eine wechselseitige, liebevolle Beziehung, die davon zeugt, wie essentiell gegenseitiger Respekt, Toleranz und Wertschätzung sind.

Fazit: Vielschichtige und vielseitige Doku über eine besondere Beziehung, in der es um Fragen der Kunst, Offenheit, Sexualität und Lust, Macht sowie Selbstbestimmung geht.




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