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Unsere große kleine Farm
Unsere große kleine Farm
© Prokino © Studiocanal

Kritik: Unsere große kleine Farm (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Chancen, ihren Traum von einer selbst bewirtschafteten Farm zu verwirklichen, stehen für den Regisseur John Chester und seine Frau Molly nicht schlecht. Denn sie haben ein riesiges Gelände in den Hügeln von Kalifornien gekauft. Leider besitzen die ehemaligen Stadtbewohner keinerlei Kenntnisse in Landwirtschaft. Vieles, was ihnen der Berater für Bio-Landbau erklärt und empfiehlt, finden die Chesters weit hergeholt. Es werde etwa sieben Jahre dauern, bis sich auf der Farm ein ökologisches Gleichgewicht einstelle, prophezeit er. Und dafür sei eine große Artenvielfalt nötig.

John Chester berichtet in diesem Dokumentarfilm, der sich über einen Zeitraum von mehr als sieben Jahren erstreckt, vom mühsamen Beginn, von Rückschlägen und neuen Erfolgen. Schließlich verwandelt sich ein Stück verbrauchtes, ausgelaugtes Land in ein grünes Paradies mit gesundem Erdreich. Als Voice-Over-Erzähler reflektiert John Chester humorvoll den eigenen Lernprozess auf der Farm, vor allem auch den Konflikt, der immer dann entsteht, wenn sich die Natur einfach nicht den mitgebrachten Idealen fügen will. Eines Tages greift John zur Flinte und erschießt einen der Kojoten, die in der Nacht Dutzende von Hühnern töten. Darüber ist er gar nicht glücklich, denn der Plan war ja, die Farm im Einklang mit der sie umgebenden Natur zu führen. John schließt einige seiner Haustiere besonders ins Herz, etwa die Sau Emma. Die Kamera nimmt auch wilde Tiere ins Visier, anmutige Kolibris beispielsweise. So bekommt man bald einen vielfältigen Eindruck davon, wie lebendig der Alltag auf dieser großen Farm ist.

Der Titel stellt eine Verbindung her zwischen der Art der Bewirtschaftung, die eher zu einem kleinen, liebevoll geführten Familienbetrieb passt, und der Größe des Projekts, das dem Ehepaar und seinen Helfern zwischendurch über den Kopf zu wachsen droht. Die Dürre, die Stürme, ein sintflutartiger Regen unterziehen die Farm wechselnden Härtetests. Dann wird sie vom Feuer bedroht. Wenn sich dann wieder ein Problem auf unerwartete Weise löst, eine neue Idee Früchte trägt, verliebt man sich als Zuschauer in dieses schöne Fleckchen Erde. Überhaupt wirkt dieser Film so erholsam und beglückend wie ein Ausflug aufs Land.

Fazit: Der Dokumentarfilm von John Chester demonstriert auf sinnlich beglückende Weise, wie ökologischer Landbau ein ausgebeutetes, unfruchtbar gewordenes Agrargelände in einem mehrjährigen Prozess wieder in ein Paradies der Artenvielfalt verwandeln kann. Der Regisseur und seine Frau haben sich in das Abenteuer einer eigenen Bio-Farm in Kalifornien gestürzt, aber nicht mit den vielen Schwierigkeiten wie Schneckenplage, Vogelfraß, Dürre gerechnet. Mit Humor und wachsender Liebe zu allem, was auf der Farm kreucht und fleucht, dokumentiert Chester die Höhen und Tiefen des Landbau-Experiments im Laufe von über sieben Jahren. Dieser schöne Film tut in der Seele wohl.




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