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Ausgeflogen
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© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Ausgeflogen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Französin Lisa Azuelos war bereits viele Jahre als Drehbuchautorin und Regisseurin für das französische TV und Kino tätig, als ihr 2008 mit der Komödie "LOL" der große Durchbruch in ihrer Heimat gelang. Vier Jahre später verfilmte sie die Geschichte mit amerikanischen Darstellern (Demi Moore, Miley Cyrus u.a.) erneut, konnte damit allerdings keinen Erfolg erzielen. Für die Realisierung der französisch-belgischen Ko-Produktion "Ausgeflogen" stand ihr dennoch ein Budget von umgerechnet acht Millionen Dollar zur Verfügung.

Eine Mutter (bald) allein zu Haus – "Ausgeflogen" widmet sich thematisch jenem Moment, vor dem sich wohl viele Eltern insgeheim fürchten: Wenn der Nachwuchs endgültig erwachsen wird und das wohlige häusliche Nest verlässt. Und womöglich, wie im Fall von Jade, auch noch in ein anderes Land übersiedeln will. Mit einer stimmigen Mischung aus Melancholie, Nostalgie, Heiterkeit und viel Gefühl gelingt es Azuelos weitestgehend überzeugend, das Gefühlschaos von Héloïse für den Zuschauer glaubhaft abzubilden.

Sie bedient sich dabei in erster Linie emotionaler Rückblenden, die essentielle Ereignisse und prägende Erlebnisse von Héloïse und ihren Kindern abbilden. Und die sich über einen langen Zeitraum von rund 18 Jahren erstrecken: von der Geburt der Kinder über die Trennung der Eltern bis hin zur Teenie-Zeit des Nachwuchses mit allen bekannten "Baustellen" (Alkohol, Partys, die erste Liebe etc.). Konsequent erzählt Azuelos dabei aus der Sicht von Héloïse, die sie (stellvertretend für sich selbst) das Auf und Ab der Gefühle auf der Leinwand nochmals durchleben, oder besser: durchleiden, lässt.

Denn Azuelos berichtet wie bereits in "LOL" gewissermaßen aus ihrem eigenen Leben. Sie selbst ist Mutter von drei Kindern, die sie alleine großgezogen hat. Und die tolle Jung-Darstellerin Thaïs Alessandrin ist im wahren Leben ihre Tochter. Dies alles sorgt jedoch dafür, dass Azuelos mitunter die Distanz zur Geschichte abhanden kommt und sie diese zu affektiert, gefühlsbetont und überdramatisierend inszeniert. Ihr fehlt der seelische Abstand zu den Geschehnissen auf der Leinwand. Hinzu kommt, dass einem die überschwänglich-bedingungslose Affenliebe, die Héloïse allen voran Jade gegenüber aufbringt, mitunter zu übertrieben und extrem erscheint.

Fazit: Berührend-einfühlsame und mit sorgsam in die Handlung eingestreuten Flashbacks garnierte Mutter-Tochter-Story, bei der der Regisseurin jedoch ein wenig die Distanz zur Handlung und Inszenierung gefehlt hat.




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