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Dene wos guet geit
Dene wos guet geit
© 20th Century Fox

Kritik: Dene wos guet geit (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Spielfilmdebüt des Schweizer Regisseurs und Drehbuchautors Cyril Schäublin wirft einen satirisch-kritischen Blick auf Zeitgeistphänomene, die das soziale Miteinander aushöhlen. Die Anonymität in der Großstadt Zürich, in der Schäublin lebt, versuchen die Menschen mit ungeeigneten, aber verlockenden Mitteln zu bekämpfen. Sie starren auf ihre Handys, verzetteln sich auf der Jagd nach günstigen Verträgen und Versicherungen, sind es beruflich gewöhnt, über andere Leute Daten und Informationen zu sammeln. Warum, denkt sich die junge Call-Center-Mitarbeiterin Alice, soll sie nicht einen Schritt weitergehen und Seniorinnen weismachen, sie sei die Enkelin, die dringend Geld braucht?

Der kühl und minimalistisch inszenierte Film bezieht seinen schalkhaften Humor aus der Gegenüberstellung des Enkeltrick-Betrugs mit den mannigfachen Formen des täglichen, legalen Eindringens in die individuelle Privatsphäre. Passanten werden von der Polizei die Taschen kontrolliert. Alice und die Kollegen im Callcenter fragen den Leuten am Telefon Daten ab, die für einen Vertragsabschluss keineswegs nötig wären. Gänzlich ins Satirische überdreht wird die Szene, in der eine alte Frau auf der Bank 50000 Schweizer Franken abheben will. Der Mann am Schalter sagt, er habe keinen Zugriff auf ihr Konto und bräuchte ihren Transcode – ohne Smartphone und Onlinebanking geht da gar nichts mehr. Solche Szenarien haben einen hohen Wiedererkennungswert. Es wird kaum jemanden geben, der sich nicht schon breitschlagen ließ, mehr Daten als gewollt von sich preiszugeben, nur um sich ein Geschäft nicht entgehen zu lassen oder auch, um sich Ärger mit Amtspersonen zu ersparen.

Witzig sind auch die erfolglosen Bemühungen der Polizisten, am Rande des Einsatzes miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Menschen sind mit Informationen überflutet. Dialoge funktionieren nicht. Es fröstelt einen, wenn man sieht, wie routiniert ein Pfleger den persönlichen Kontakt mit einer Altenheimbewohnerin vermeidet. Eine besondere Rolle spielt die Architektur in diesem Film, denn ihre grauen, kahlen, glatten Flächen lassen die Menschen klein und verloren wirken. Das Grün, das sich zwischen den betonierten Arealen schmückend ausbreiten darf, täuscht die Gegenwart einer Natur vor, die in Wirklichkeit ebenfalls zur abweisenden Fassade gerinnt.

Fazit: Das Spielfilmdebüt des Schweizer Regisseurs Cyril Schäublin übt auf sehr unterhaltsame Weise Kritik an der anonymen Informationsgesellschaft. Am Schauplatz Zürich dreht sich für die Protagonisten alles um Geld, sie sind stets auf der Suche nach einem Schnäppchen und lassen sich leichtfertig überreden, persönliche Daten preiszugeben. Eine junge Mitarbeiterin eines Callcenters wird zur Verbrecherin, die Seniorinnen mit dem Enkeltrick ausnehmen will. Einsam und isoliert aber sind nicht nur die Alten in dieser treffsicheren Sozialsatire, sondern alle, weil sie nur auf ihre Handys starren und sich von Pseudowichtigkeit verwirren lassen.




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