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Blown Away   Music, Miles and Magic
Blown Away Music, Miles and Magic
© Die FILMAgentinnen / Jackhead Verleih/Produktion

Kritik: Blown Away - Music, Miles and Magic (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dokumentarfilme über Weltreisen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Hannes Kochs und Ben Schascheks Trip ist ein besonderes Sandkorn. Denn die beiden Studienfreunde sind nicht einfach nur von Australien über Südostasien, Indien, Afrika, Süd- und Nordamerika zurück nach Deutschland gesegelt, sondern haben unterwegs mit unzähligen Musikerinnen und Musikern gejammt, Songs geschrieben und eingespielt. Die Musik und das Konzept dahinter sind das wirklich Außergewöhnliche eines ansonsten recht konventionellen Films.

Vier Jahre und zehn Monate waren Hannes und Ben unterwegs. Am Ende ihrer Reise sind die anfangs noch sehr jungenhaft wirkenden jungen Männer sichtlich gereift. Ihren bewegten Alltag haben sie in einer Art filmischem Reisetagebuch mit der Kamera festgehalten. Micha Schulze, selbst Musiker, Musikvideoregisseur und Autor und Cutter fürs Fernsehen, hat die Regie übernommen und das Ausgangsmaterial zu einer stimmigen Collage montiert. Hannes und Ben kommentieren ihre Erlebnisse aus dem Off, was auch dem fertigen Film den Charakter eines Reisetagebuchs verleiht.

"Blown Away – Music, Miles and Magic" trägt seine Absicht bereits im Titel. Der Film dokumentiert nicht nur, wie sich seine beiden Protagonisten von Wind, Wellen und der eigenen Eingebung treiben lassen, dabei die Freiheit genießen und rund um den Globus auf Gastfreundschaft treffen. "Blown Away" möchte sein Publikum auch umhauen. Dabei hat der Film allerdings dieselbe Schwachstelle wie viele vergleichbare Werke. Mit dem Ausgangsmaterial ließen sich zig weitere Stunden füllen. Die unterwegs getroffenen Musiker, ihre Musikstile, Einflüsse, Hintergründe und Ansichten kommen leider viel zu kurz.

Fantastisch und faszinierend sind hingegen die Songs, die unterwegs entstehen – wenn Musiker den Weltreisenden ein Lied mit auf den Weg geben, das andere Künstler vervollständigen. Hier arbeiten Musiker gemeinsam an einem Stück, ohne sich jemals zu begegnen. Ein zeitversetzter, ortsunabhängiger kreativer Prozess. Hier zeigt "Blown Away" eindrucksvoll die grenzübergreifende, völkerverständigende Macht der Musik. Diese Momente sind wirklich magisch. Hier öffnet der Film Augen, geht ins Ohr und trifft mitten ins Herz.

Fazit: "Blown Away – Music, Miles and Magic" setzt sich von den üblichen Dokumentarfilmen über Weltreisen durch die Musik ab, die die beiden Weltreisenden während ihres Trips vor Ort aufgenommen haben. Die toll komponierten und eingespielten Songs sind die Höhepunkte eines konventionell erzählten Films, der die grenzübergreifende Macht der Musik vor Augen führt.




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