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In Front of Others
In Front of Others
© Nordlichter Film

Kritik: In Front of Others (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "In Front of Others" liefert der isländische Filmemacher Óskar Jónasson ("Reykjavík – Rotterdam: Tödliche Lieferung") einen sehr unterhaltsamen Mix aus RomCom und Sozialtragikomödie. Das Skript, das Jónasson gemeinsam mit Kristján Hrafnsson geschrieben hat, befasst sich zum einen mit der Entstehung sowie dem drohenden Bruch einer Liebesbeziehung – und entwirft zum anderen das Psychogramm eines Mannes, der erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit seinen Mitmenschen hat und sich deshalb in seiner neuen Beziehung damit behilft, andere Leute zu imitieren.

Dass der Protagonist Hubert auf sein love interest Hanna mit seinen Nachahmungen zunächst auf eine verschrobene Art und Weise durchaus anziehend wirkt, ist ebenso glaubhaft wie die allmählichen Irritationen, die sich einstellen, als Hanna begreifen muss, dass Hubert seine Taktik zur Überwindung seiner Schüchternheit immer weniger kontrollieren kann. Der Film widmet sich seinem Thema mit Witz, nimmt seine Figuren dabei aber stets ernst und gibt sie zu keinem Zeitpunkt der Lächerlichkeit preis. Dies ist auch dem überzeugenden Ensemble zu verdanken. Snorri Engilbertsson verkörpert die Hauptrolle mit Feingefühl: Er spielt den introvertierten Hubert als komplexen Charakter, der lernen muss, sich seinen Ängsten und Problemen zu stellen, statt sich hinter Imitationen zu verstecken. Die Chemie mit seiner Leinwandpartnerin Hafdis Helga Helgadottir stimmt; es wird nachvollziehbar, dass Hanna am Funktionieren der Beziehung zu zweifeln beginnt und dass dies mit Schmerz und Enttäuschung verbunden ist. Auch das konfliktreiche Verhältnis zwischen Hanna und ihrem Vater wird nuanciert gezeichnet.

Neben seinen dramaturgischen Stärken weiß "In Front of Others" auch inszenatorisch zu gefallen. In schön gestalteten Bildern und mit ansprechender Musikuntermalung ist das Werk ein passender Kandidat für einen lustigen und zugleich nachdenklichen Kinoabend.

Fazit: Eine sympathisch umgesetzte Mischung aus unkonventioneller Liebesgeschichte und tragikomischem Porträt eines Außenseiters mit durchweg guter Besetzung.




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