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Kritik: Euthanizer (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ob sie an Karma glaube, fragt Veijo (Matti Onnismaa) die Tierärztin Ojala (Pihla Penttinen), als er sie gewaltsam in den Wald, an den Ort ihres Verbrechens zerrt. Ojala hatte auf der nahe gelegenen Straße einen Dachs angefahren. Nun soll sie sich bei dem toten Tier entschuldigen. Danach fordert Veijo sie auf, ihm mit einer Eisenstange eins über den Schädel zu ziehen. Ausgleichende Gerechtigkeit für den Schlag, den Veijo zuvor Ojala zugefügt hatte. In Veijos Lebensphilosophie ist alles in Balance, zuvorderst der Schmerz. Teemu Nikkis Film funktioniert auf eben diese Weise.

Der finnische Independent-Regisseur und Drehbuchautor hat ein schräges Karma-Drama, einen fiesen kleinen Tier-Thriller gedreht. Seine Hauptfigur ist einer, der besser mit Vierbeinern als mit Menschen zurechtkommt. Ein Eigenbrötler, der seine Schiebermütze und Hornbrille nicht einmal zum Sex abnimmt, und ein Lakoniker in bester Aki-Kaurismäki-Manier. Auf die viel jüngere Lotta (Hannamaija Nikander) lässt er sich nur ein, weil sie "ein bisschen wie ein Tier" sei, wie er zu einem Bekannten sagt. Hinter seiner harten Schale steckt freilich ein Trauma, das sich ganz allmählich offenbart.

Nikki wirft seine dichte, nur 83 Minuten kurze Geschichte in trüben Farbtönen und mit agiler Handkamera auf die Leinwand. Die Musik schwankt zwischen dunkler Orgel und hellen Chorälen. Der Humor ist trocken, die Gewalt hart. Konsequenterweise zeigt Nikki Letztgenannte nur gegen Menschen. Gegen Tiere gerichtete Grausamkeiten blendet er aus. Durch seinen Protagonisten hält der Filmemacher allen schlechten Haustierhaltern den Spiegel vor und zeigt: Der Grad der Zivilisation lässt sich an ihrem Umgang mit anderen Lebewesen ablesen.

Konsequent folgt auch die Handlung Veijos Verständnis von Karma. Jede Aktion erzeugt eine Reaktion, jede Gewalttat zieht Gegengewalt nach sich. Nur bei der Figurenzeichnung lässt "Euthanizer" die Balance deutlich vermissen. Die Nebencharaktere bleiben vage oder in Petris (Jari Virman) Fall eindimensionale Abziehbilder.

Fazit: Teemu Nikki hat ein dicht erzähltes, makaberes Karma-Drama, einen fiesen kleinen Tier-Thriller gedreht. "Euthanizer" punktet mit schrägen Charakteren und lakonischem Humor, vernachlässigt darüber allerdings ein wenig seine Figuren.




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