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Opportunity Knocks
Opportunity Knocks
© Nordlichter Film

Kritik: Opportunity Knocks (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Arild Fröhlich schlug in der Tragikomödie "Grand Hotel" (2016) zuletzt nachdenkliche Töne an. Jetzt meldet sich der Regisseur von "Fatso" (2008) und den "Doktor Proktor"-Kinderfilmen (2014, 2015) mit seinem Stammdarsteller Atle Antonsen und der von ihm gewohnten Mischung aus derben Späßen und Slapstick zurück. Der Plot von der verunglückten Haussanierung erinnert an die US-Komödie "Geschenkt ist noch zu teuer" (1986) und deren Vorgänger "Nur meiner Frau zuliebe" (1948) und "Unser trautes Heim" (1942), basiert aber auf einem norwegischen Original.

"Opportunity Knocks", so der internationale Titel von Fröhlichs kongenialem Klamauk, ist ein Remake des gleichnamigen "Norske byggeklosser" (1972) und weist dieselbe Besonderheit auf. Vor viereinhalb Jahrzehnten spielte Rolv Wesenlund gleich mehrere Nebenrollen, nun schlüpft Antonsen in sage und schreibe elf Charaktere – und beeindruckt durch seine Wandlungsfähigkeit. Vom schrulligen Ökoarchitekten, der auf der Baustelle übernachtet, um das richtige Gefühl für das Gebäude zu bekommen, über den prolligen ausländischen Vorarbeiter, der sich weigert, ein mobiles Toilettenhäuschen zu benutzen, bis zum arroganten Nachbarn, der auf dem Grundstück nebenan eine Gokartbahn für seinen Sohn errichten will, beherrscht Antonsen jede Rolle.

Der Regisseur hat das Drehbuch gemeinsam mit seinem elffachen Nebendarsteller verfasst und ihm die Rollen auf den Leib geschrieben. Ein skurriles Figurenkabinett, das zwischen den Zeilen viel über die norwegische Gesellschaft verrät. Auch bei den Skandinaviern geht die Schere zwischen Arm und Reich längst auseinander. Der Ehrliche ist der Dumme. Im Fall der beiden Hauptfiguren Ingrid und Olav kommen deren Gutmütig- und Gutgläubigkeit erschwerend hinzu. Wie sich die beiden ein ums andere Mal freundlich-naiv von dreisten Zeitgenossen übervorteilen und kleinhalten lassen, ist köstlich. Ine F. Jansen und Anders Baasmo Christiansen spielen das Paar mit liebenswerter Naivität. Die Haussanierung ist auch eine Emanzipationsgeschichte, an deren Ende sie schön dreist die Cleveren sind.

Durch Antonsens Rollenhäufung erinnert das Ganze mitunter an eine Sketch-Comedy. Das vorzüglich geschriebene Drehbuch hält all die kleinen Episoden jedoch zusammen und prima im Fluss. In den kurzweiligen 100 Minuten greift jedes Rädchen ins andere, erfüllt am Ende jeder im ersten Moment noch so unmotiviert erscheinende Auftritt eine Funktion. Dementsprechend steuert die Handlung mit einfallsreichen Wendepunkten konsequent auf ihr Finale zu. "Opportunity Knocks" ist eine zwar nicht sonderlich tiefgründige, dafür äußerst amüsante Eskalationsspirale.

Fazit: Mit "Opportunity Knocks" ist Regisseur Arild Fröhlich wieder voll im Klamauk-Element. Die Komödie über eine verunglückte Haussanierung ist ein kurzweiliger Spaß mit liebenswert verschrobenen Charakteren, einfallsreichen Wendepunkten und einer konsequent zu Ende erzählten Geschichte.




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