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Kritik: Turkish Ice Cream (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Regisseur Can Ulkay ("Ayla: The Daughter of War", "Müslüm") begibt sich erneut in historische Gefilde. Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt er die Geschichte zweier außergewöhnlicher Helden. Gürkan Tanyaş' Drehbuch nimmt sich viel Zeit, den Ort, die Epoche und das Verhältnis zwischen Mehmet (Ali Atay) und Ali (Erkan Kolçak Köstendil) einzuführen. Als Fremde in einem neuen Land gleicht deren Beziehung zunächst einem Zweckbündnis, aus dem sich erst im Verlauf der Handlung eine echte Freundschaft entwickelt.

Ali Atay und Erkan Kolçak Köstendil spielen ihre zuweilen unbeholfenen, aber stets charmanten Charaktere so überzeugend, dass sie schnell zu Sympathieträgern werden. Ulkay inszeniert ihre Bemühungen zunächst mit jeder Menge Augenzwinkern. Unter australischer Sonne trifft osmanische Heißblütigkeit auf britisches Understatement. Mehr als einmal treiben Mehmet und Ali Captain Wayne (Will Thorp) zur Weißglut und landen dafür als Runing Gag im Knast. Leider bewahrt sich der Film diesen Humor nicht bis zum Schluss.

Handwerklich kann sich "Turkish Ice Cream" sehen lassen. Zwar drängt sich Fahir Atakoğlus Musik etwas zu oft in den Vordergrund. Dafür sitzen Ausstattung und Kostüme ebenso wie Kamera, Licht und Montage. Das Skript entwickelt sich hingegen alsbald zur großen Enttäuschung. Die Motivation der Figuren ist dürftig. Warum es den Familienvater Ali in den Krieg zieht, bleibt vage. Was als Schelmenstück, ja beinahe wie eine subversive Kriegssatire beginnt, driftet langsam in ein theatralisches Historiendrama ab – den Heldentod unter wehender Fahne in Zeitlupe inklusive.

Dieser Spagat zwischen kritischer Kriegsbetrachtung und unhinterfragter Heldenverehrung ist unglücklich. Vordergründig gibt sich "Turkish Ice Cream" als pazifistisches Plädoyer, das im Krieg auf allen Seiten nur Verlierer sieht. Die zunehmend eindimensionaler werdende Freund-Feind-Zeichnung und Figuren, die ihre anfängliche Ambivalenz unterwegs irgendwo verlieren, laufen dem zuwider. Letztlich hinterlässt der Film sein Publikum mit gemischten Gefühlen.

Fazit: "Turkish Ice Cream" erzählt von zwei Auswanderern, die im Krieg die Liebe zu ihrer alten Heimat (wieder-)entdecken. Was wie ein ambivalentes Schelmenstück mit viel Humor beginnt, gerät zusehends zum eindimensionalen, theatralischen Heldenepos.




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