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Wir - Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die...fuhr
Wir - Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr
© Der Filmverleih GmbH

Kritik: Wir - Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Original heißen Roman und Film gleich: "Wij". Pünktlich zum Deutschlandstart der Adaption wird auch die Vorlage noch einmal neu aufgelegt. Hierzulande dient der Buchtitel der Leinwandversion als Untertitel, was zum ellenlangen, aber durchaus lyrischen "Wir – Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr" führt. Hie wie da ist der Name Programm. Schon Elvis Peeters' Roman rief in Belgien und in den Niederlanden heftige Reaktionen hervor. Auch René Ellers Verfilmung birgt genügend Sprengstoff, um manchen im Kinosaal erbeben zu lassen.

Die Geschichte beginnt wie ein locker leichter Sommertraum, wie ein Coming-of-Age-Film über Drogen, Liebe und Sex. Doch das Verhalten der acht Jugendlichen steigert sich immer mehr zum Exzess, der sich in expliziten Sex- und Gewaltdarstellungen über die Leinwand ergießt. Was sich für die vier jungen Frauen zunächst wie eine sexuelle Befreiung, wie eine Selbstermächtigung über die eigenen Körper und wie ein Machtspiel mit den Männern anfühlt, driftet zusehends in Zwang und Abhängigkeiten ab.

"Wir" ist Ellers Langfilmdebüt – und der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent setzt es einfallsreich und stilbewusst um. Er überführt die Erlebnisse der acht Hauptfiguren in vier Episoden, die als Zwiegespräche aus dem Off unter die verführerischen Bilder gelegt sind. Jede Episode wird von einer Neonreklame angekündigt, die den Namen des jeweiligen Erzählers bunt blinkend in den Kinosaal wirft. Jede Version weicht ein wenig von der zuvor gehörten ab, offenbart neue Details und fügt all die Puzzlestücke zu einem grausamen Ganzen zusammen. Ob und inwieweit das Publikum den (unzuverlässigen) Stimmen trauen kann, bleibt über das Filmende hinaus offen.

René Eller kommt aus der Werbebranche, hat als Ausstatter für Castings gearbeitet, Werbespots und Musikvideos für Künstler wie Boy George, Herbert Grönemeyer und Die Toten Hosen gedreht. Das sieht man seinem Debüt an. Mal verpackt er seine Handlung zu Synthiepop in sonnendurchflutete Zeitlupenaufnahmen, mal zu nervösen Streichern in perfekt durchgestylte Interieurs.

Insgesamt sieht das alles ein wenig zu sehr nach glattgebügelter Werbeoptik aus, die letztlich dafür sorgt, dass man mit dem aufopfernd spielenden, vollen Körpereinsatz zeigenden Nachwuchsensemble (viele davon in ihrer ersten Rolle) nie richtig mitfiebert. Die Figuren bleiben einem seltsam fremd. Die Kritik an einer oberflächlichen, nur auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft, in der selbst die Liebe konsequenterweise zu einer Ware wird, schlägt nie so wuchtig durch, wie sie gemeint ist.

Fazit: René Ellers Langfilmdebüt ist eine visuell stilvolle wie erzählerisch originell in Szene gesetzte Romanadaption. Trotz eines aufopfernd aufspielenden Nachwuchsensembles und expliziter Sex- und Gewaltdarstellungen ist die Gesellschaftskritik aber nie so wuchtig, wie beabsichtigt.




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