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Petting statt Pershing
Petting statt Pershing
© NFP marketing & distribution

Kritik: Petting statt Pershing (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Bislang war Petra Lüschow als Drehbuchautorin und Dramaturgin tätig, schrieb unter anderem die Adaption des Kriminalromans "Tannöd" (2006), der unter demselben Titel drei Jahre später in die Kinos kam. "Petting statt Pershing" ist ihr Spielfilmdebüt als Regisseurin und führt – wie der Titel bereits vermuten lässt – mitten hinein in die Achtziger mit ihrer Anti-Atomkraft- und Friedensbewegung. Dank einigen gelungenen Einfällen und Twists gerät die an sich beschauliche Bonner Republik bei Lüschow zu einem wilden Ritt, den die Debütantin allerdings nicht bis zum Ende durchhält.

Los geht es wie in einem Krimi und mit der 17-jährigen Ursula Mayer (Anna Florkowski), die ein Entführungsopfer in einem Sack über ein Feld schleift. Kamerafrau Jutta Pohlmann setzt diese Sequenz wie den gesamten Film recht ansehnlich in Szene. Hauptfigur Ursula ist wie die Filmemacherin Jahrgang 1966. Mit einer Jugend im Eigenheim, zwischen Wandschrank und grell gekacheltem Badezimmer, kennt sich Lüschow folglich aus. Das detailverliebte Zeitkolorit ist denn auch ein Pfund, mit dem diese Komödie wuchern kann.

Das Ensemble überzeugt, allen voran Kino-Neuentdeckung Anna Florkowski. Und Christina Große, die ihre Figur irgendwo zwischen verhuschter Hausfrau, auf die Tochter eifersüchtige Mutter und aufbegehrender Ehefrau anlegt, spielt ganz großartig auf. Auch Lüschows Pointen sitzen, Stoßrichtung, Tempo und Konsequenz hingegen weniger. Zwar ist "Petting statt Pershing" mit seinen Seitenhieben gegen alles und jeden weit davon entfernt, in die allseits verbreitete 80er-Nostalgie zu verfallen. Wirklich bissig ist diese Komödie indes nicht.

Lüschows Debüt ist beschwingt und verspielt und führt den Muff, die Bequemlichkeit und Doppelmoral dieser Epoche all jenen noch einmal vor Augen, die es sich in ihrer getrübten Erinnerung zu schön eingerichtet haben. Die teils absurden Auswüchse ihrer Handlung treibt die Regisseurin und Drehbuchautorin allerdings nie vollends auf die Spitze.

Fazit: Weit davon entfernt, in Nostalgie zu verfallen, führt "Petting statt Pershing" die Spießigkeit und Doppelmoral der frühen 1980er vergnüglich vor Augen. Die Pointen der Regisseurin und Drehbuchautorin Petra Lüschow sitzen, erzählerisch lässt sie jedoch die letzte Konsequenz vermissen.




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